Monday, May 26, 2014

Salaspils

"Hinter diesen Mauern weint die Erde"



 





 Mit Storch



Im Daugava-Museum





Drahteselausfahrt und andere Kuriositäten

Was für eine Woche.

Ein stetiges Auf und Ab der Emotionen, das Mittelmaß irgendwo bei sonne-trunkenem Wohlfühlglück.
Freitag war mal wieder der Tag meine Erasmusseite zu bedienen und auf eine der sonst so vermiedenen ESN Parties zu gehen. PromNight auf einem Boot, was für ein krönender Abschluss einer harten Geburtshilfe- und Gynäkologiewoche. Der Sonnenuntergang mit Ostsee und Pier im Hintergrund hat etwas durchaus magisches. Dazu den Pier von Mangalsala mal von der Daugava aus zu sehen hat mich zum ersten Mal realisieren lassen, wie weit dieser doch ins Meer hinein ragt. 

Sonntags schafften Dace und ich es auch endlich auf die längst überfällige gemeinsame Fahrradtour - zusammen mit Kathi und Martin fuhren wir Richtung Süden, nach Salaspils. Hier, fast 20km außerhalb von Riga, ist nicht viel - grüne Wälder, strahlender Sonnenschein und in mitten des Ganzen eine Freifläche mit geschichtsschwangerem Hintergrund. Das Mahnmal des "Polizeigefängnisses und Arbeitserziehungslagers Kurtenhof". Zwischen Dezember 1941 und Dezember 1944 starben hier fast dreitausend Menschen, darunter mehr als sechshundert Kinder. Masern, Typhus, Mangelernährung und die Lagerleitung tuen ihr Übriges. Es war ein seltsames Gefühl bei strahlend blauem Himmel fast ganz allein das Mahnmal in Augenschein zu nehmen. Es ist immer komisch, mit der eigenen Geschichte konfrontiert zu werden und sich klar zu machen, dass gerade einmal siebzig Jahre seit der Schließung des Lagers vergangen sind.

Danach fuhren wir weiter, zum Daugavamuseum, und schließlich mit ein paar Abkürzungen und Fehlentscheidungen auch wieder nach Riga, an der Daugavas Promenade entlang. Am liebsten hätte ich mich bei der Hitze ins Wasser gestürzt.

Heute im Kurs hatten wir das Glück mehrmals mit in den OP zu gehen.
Dass dazu auch eine Abtreibung in der elften Schwangerschaftswoche gehörte, wühlt mich weiterhin sehr auf.

Die Sonne nimmt ein wenig das Salz aus der Wunde und macht auch das Lernen leichter. Im CoffeeInn dürften sie mich wohl bald mit meiner Standartbestellung begrüßen, so häufig, wie ich meine Nachmittage dort verbringe.

Heute in einunddreißig Tagen bin ich gerade in Chemnitz angekommen.
Ein seltsames Gefühl. Ich schwanke zwischen Vorfreude und Torschlusspanik.
Mein Laptop hat mittlerweile die tiefgefrorenen Shrimps dank seiner Abwärme verzehrfertig gemacht - das war keine flinke Idee sondern ein Notkniff, um meinen Computer vor dem drohenden Hitzetod bei Bildkonvertierung zu bewahren.
Labu apetīti!
Blöde Handykamera
Coffee-Office

Sunday, May 18, 2014

Life is good.

Manchmal muss man sich was Gutes tuen.
Sei es das Verschieben der Lernsession in ein Café, wo man mit einer Freundin über Büchern gemeinsam verzweifelt. Oder die Abendplanung über den Haufen werfen, um Platz für drei Orangen auf einer Opernbühne zu machen. Oder einfach mal zu Hause anrufen auch - oder gerade wenn - man vorher darum gebeten wurde.
Mama weiß doch immer, was gut für einen ist.

Ich habe mir gestern einen Granatapfel gegönnt. Mein erster Granatapfel.
Mit Stolz kann ich behaupten, dass ich weder Kleidung eingebüßt habe noch die Küche neu tapeziert werden müsste. Und wie das große Mädchen, dass ich mittlerweile bin, habe ich die Kerne verspeißt. Richtig. Die Kerne. Ich, die ich keine Weintrauben essen kann, ohne meinen Würgereflex von diesen kleinen, braun-grünen Biestern ausgelöst zu bekommen. Und ja, es war ein weiter Weg von der jungen Göre, die bei Oma und Opa in der Küche saß und jeden Granatapfelkern einzeln von seinem Fruchtfleisch befreite nur um nach einer Handvoll die Geduld zu verlieren und zurück zum Anfängerstadium (ergo: Banane) zu gehen.

Apropos Banane! Was macht ein Ostdeutscher, wenn er eine Schlange sieht?
Ganz klar, er stellt sich an.
Genau das waren wir auch gestern vollzogen - es war Nacht der Museen, und wo auch immer wir eine sich langsam vorwärts bewegende Menschenreihe gesehen haben, haben wir uns pflichtbewusst hinten angestellt. Es hat uns so viel Spaß gemacht, dass wir sogar zweimal die selbe Reihe genommen haben. Wir saßen diskutierend an den Senatssitzplätzen, wollten die beiden preisgekrönten Katzen des Bürgermeisters klauen und atmeten den Duft jahrzehntealter Bücher und Zeitungssammlungen ein. Krönender Abschluss dieses gelungenen Mädelsabends: ein Cocktail für Kathi, Kasia und Fräulein Kusche. Im T-Shirt. Unter freiem Himmel. Hallelujah!!

Die Oper im Grünen.
Achja, den Sochi-Bob haben wir auch gesehen!



Heute hieß es: "GO, TEAM SUPERBUDDY!" - Dace und Valerija sind beim Nordea Marathon mitgerannt und haben die 5km geschafft. Kathi und ich haben ein SupportTshirt entworfen - eine gute Entscheidung, da dieses luftig-lockere Shirt uns wahrscheinlich gerettet hat in dieser Hitze des heutigen Tages. Wie die beiden es geschafft haben, so problemlos die 5km in strahlendem Sonnenschein zu rennen, ist mir noch ein kleines Rätsel.
Aber sie haben es geschafft! It's not a day to lose - victory!!!


Zu Hause erwartet mich nun Babba-sei-Dank auch Herbert - der Gute ist ein wundervoller, kaum genutzter Drahtesel - und nun mein Eigen. Die Wohnungssuche in Dresden bewegt sich auch in eine sehr positive Richtung. I'm a lucky girl! Und heute ist ein guter Tag.

Die grienende Nomaden-Made verabschiedet sich in den rosaroten Sonnenuntergang. (Danke, Mutti.)



Friday, May 9, 2014

Erdung

Erdung - obwohl ich in Physik nicht die hellste Leuchte war, ist mir der Begriff kein Fremdwort. Dass man ihn auch metaphorisch benutzen kann, ist mir spätestens nach dem Abitur klar geworden. Plötzlich stehe ich vor der Waschmaschine des Wohnheims, ich bekomme meine erste Mahnung und mein großer Zeh sagt mir "Hallo", als ich ihn durch ein, ja, Daumengroßes Loch in meiner Socke hervorillern sehe. Und das war nur der Anfang.
Was mir das Mäusebuch einer Freundin geholfen hat in Worte zu fassen: wir werden nicht durch unsere Fehler oder Makel definiert, sondern dadurch, wie wir mit ihnen umgehen.

Die letzten Tage haben mich dem Boden wieder ein wenig näher gebracht.
Raquel ist nach Hause geflogen. Ein lachendes Gesicht weniger, was einem in der Stadt begegnen kann, und keiner mehr, der sich meiner miserablen spanischen Aussprache wegen vor Lachen kringelt.
Raquel, mi conejo come pollo! Und es gibt nichts, was ich dagegen tuen könnte.
Als mir klar wurde, dass es nicht so sehr der Abschied war, der mir zu schaffen machte, sondern die Tatsache, dass ich auf den Tag genau in sieben Wochen um diese Uhrzeit schon in Berlin am Flughafen verzweifelt nach dem Bus zum Bahnhof Ausschau halte - zack. Erdung.
Ich habe mein Gewissen damit beruhigt, dass ich die To-Do-Liste in meinem Terminplaner aktualisiert und  meinen Handgepäckskoffer zum unzähligen Male mit meinem winzigen Geodreieck ausgemessen habe. Er hat innerhalb der letzten Monate nicht an Größe zugenommen. Die Obsession lässt grüßen.

Der zweite kleine Stromschlag kam heute.
Ich habe mich schon häufiger in einer Ausstellung wiedergefunden, in der ich, mit einem Lächeln auf den Lippen oder aber auch einfach nur Kopf schüttelnd stand und mich fragte, ob das wirklich Kunst ist. Zum Beispiel der drei mal drei Meter große Spiegel mit Rahmen, der im Albertinum hängt. "But, is it art?" war auch die Frage, die Marc Prüst, Norweger mit Wahlheimat Frankreich und Photography Curator, heute in der neuen Nationalbibliothek in Riga beantwortete. Prinzipiell war es nichts, was ich nicht schon mal gehört habe, aber er hat die Gabe, das Gesagte wundervoll zu verpacken, und Altes in neuer Form zu präsentieren. Ist Photographie Kunst verlangt, natürlich, zuerst nach der Antwort auf die Frage, was Kunst ist. Für Marc, und in gewisser Weise auch für mich: ein Produkt, welches einen eigenen Blickwinkel zeigt auf die Welt und die Position eines Individuums in dieser Welt. Kurz um, eine Geschichte, die fesselt. Berührt. Zum Nachdenken anregt. Er beschrieb van Gogh als den perfekten Künstler, der Kunst um der Kunst Willen betreibt: "ständig betrunken, auf der Tasche seines Bruders liegend, mit einflussreichen Freunden, so verrückt, dass er sich ein Ohr abgeschnitten hat und am Ende Suizid in der Blüte seines Lebens." Seine berühmten Sonnenblumen wurden im Übrigen 1987 für nicht weniger als 30 Millionen Euro von einem Japaner gekauft - sein ganzes Werk wurde kurz nach seinem Tod für circa 7 Millionen Euro von der niederländischen nationalen Kunstsammlung aufgekauft: woher diese Wertsteigerung nach dem Tod eines "Mitschwimmers des Impressionismus" (Marc Prüst)?

Kunst ist etwas seltsames. Und da muss ich Marc leider widersprechen: ich glaube, Wirtschaft und Kunst haben da doch mehr gemeinsam, als er sich eingestehen will, und die Popularität eines Stückes wird nicht durch den Künstler und sein Talent definiert sondern vom Betrachter geschaffen. Er als Kurator sollte das am besten nachvollziehen, schließlich ist es sein Wort, sein Urteil, was über die Existenz eines bestimmten Objekts in einer Ausstellung entscheidet.

Zurück zum roten Faden: ich bin keine Künstlerin. Das ist mir klar und es ist auch nicht das, was ich beabsichtige, wenn ich die zwei Druckpunkte am Auslöser meiner Nikon durchdrücke. Aber seine Worte und das Realisieren der schieren Anzahl an Photos, die dort draußen Tag für Tag entstehen, in denen die meinigen einfach untergehen und zu einem insignifikanten Nichts zusammenschmelzen - das hat mich geerdet. Natürlich, ich photographiere zu erst und vor allem für mich. Es bereitet mir Freude, es ist meine Art, Erinnerungen zu schaffen und Momente festzuhalten. Dass Familie und Freunde sich ebenfalls daran erfreuen, ist ein wundervoller Nebeneffekt - wer möchte nicht seinen Mitmenschen den Tag versüßen?

Aber seine Worte haben einen faulen Zahn getroffen, der mich schon längere Zeit stört.
Ich komme nicht voran. Man übt ein Instrument, um besser zu werden. Man trainiert, um den persönlichen Rekord zu brechen, den nächsten Gipfel zu erklimmen. In mir wächst und wächst das ungute Gefühl, dass meinen Photographien etwas Signifikantes fehlt. Und Marc hat da heute den Finger tief in die Wunde gesteckt und die Kugel herausgepult.
Ich kann etwas ästhetisch Schönes erschaffen, dem die Seele fehlt. Das macht mich nicht schlechter und nicht besser als den Großteil der Menschen, die mit einer Spiegelreflex in der Hand durch die Weltgeschichte stürzen in der Hoffnung, den einen guten "Shot" zu ergattern. Oder wie hat Marc es ausgedrückt? Nur, weil man schreiben kann, bedeutet das nicht automatisch, dass man der nächste Shakespeare oder Thomas Mann ist.

Der Silberstreif des Ganzen?
Wie in der Medizin, so auch hier: wenn man die Aetiologie kennt, kann man effektiv handeln.
Ich habe gelernt, meine Wäsche selbst zu waschen und meine Rechnungen fristgerecht zu bezahlen - allein fürs Sockenstopfen bin ich zu faul. Die Mehrheit meiner Fehler, Makel und Lücken habe ich also ausgebessert. Aber wo blieben wir als Individuen, wenn wir nicht ständig neue Herausforderungen fänden und uns mit alten herumbeißen?

 Die neue Bib von Innen, leider nur Handyqualität.

Tuesday, May 6, 2014

Kurzeme

 Ķemeri - Lake Slokas:









Mērsrags:









Kap Kolka:




Hier drin kann man übernachten!

Ventspils: