Thursday, August 29, 2013

Es biju, esmu un būšu universitātē.

So viel Action und Wirrwarr im Kopf.

Samstag bekomme ich Bescheid, ob ich das WG-sucht-Mitbewohnerin-Match gewonnen oder verloren habe.
Da ich so wahnsinnig schlecht im Verlieren bin, habe ich jetzt schon mal nach einem billigen Regal und Stuhl für das Zimmer gesucht und dabei mit Erschrecken festgestellt: es gibt kein IKEA im Baltikum! Aus die Maus, wenns um das EXPEDIT Regal meiner Träume geht? Glücklicherweise nicht, denn die Letten wissen sich zu helfen: mēbeles no IKEĀ. Es gibt Läden, die IkeaMöbel verkaufen, natürlich mit ein wenig Aufpreis, sonst würde sich die Lieferung aus Polen nicht lohnen... aber bevor ich weiter mein noch imaginäres Zimmer in diesem tollen 3MannBetrieb einräume, sollte ich mich wohl den dringenderen Fragen des Lebens beschäftigen.

Zum Beispiel: wie in HERRGOTTESNAMEN soll ich diesen Stundenplansetzkasten verstehen?
Fröhliches Herumkombinieren, bis sich mir auf magische Art und Weise eine Lösung ergibt, die nicht beinhaltet, dass ich mehr als die Hälfte der Arbeitswoche keine obligatorischen Veranstaltungen habe? Jā, Lettland ist wunderschön und ich könnte die freie Zeit und das noch gute Wetter nutzen um die Touristin raushängen zu lassen, ergo mit Kamera und Reiseführer bewaffnet durch lettische Wälder streifen und das baltische Meer erkunden. Oder aber ich mime die strebsame Studentin, packe meine umfangreiche Lehrbuchsammlung zum Thema "Psychosomatik des Rückenschmerzes" aus, rüste mich mit lettischem Bohnenkaffee und belagere die RSU-Bibliothek. Dann wäre ich aber auch definitonsgemäß keine ERASMUSStudentin mehr. Das komplette Gegenteil, also die ERASMUSStudentin in spe wäre: (wie könnte es anders sein) Party, Party, Party (Batīlle!!!). Die spanischen Studenten habe ich schon gefunden, die Grundlage wäre zweifelsohne geschaffen. Problem: ich bin zum Lernen hier. Arbeit! Verantwortung! Wenigstens die Hälfte der Woche, bitte!
Am Montag geht es zu Lana, der ERASMUSMutti. Bis dahin lege ich die Frage auf Eis.

(Kurzinfo zum ersten Tag an der Uni: Wir haben es glorreich geschafft unsere ERASMUSZeit dem Ausreizen des studentischen Viertels zu beginnen. RSU: süßes, kleines Gebäude mit äußerlich etwas sowjetischem Charme und inneren, modernen Werten. Unglaublich viele Deutsche im Internationalen Studiengang, natürlich mit eigener Vertretung (wie auch die skandinavischen Länder). Ich besitze nun eine, im Gegensatz zum TU Dresden-Studentenausweis, hochwertige Plastikkarte mit Kermit-der-Frosch ähnlichem Sträflingsbild. Lectures, also Vorlesungen, beginnen am 05.09.)

Morgen ist der letzte Tag unseres Sprachkurses. Beim gestrigen PubCrawl (Gruppe von Studenten zieht eine Nacht lang von Bar zu Bar) haben wir uns schon mal an den einheimischen Führern mit unserer Präsentation ausprobiert und wurden reichlich gelobt (verstanden habe ich von ihrer Lobeshymne allerdings nur "lettische Sprache", "vorstellen" und "sehr gut". Auf Nachfrage hin meinte sie, dass sie davon ausgegangen ist, dass wir schon seit einem Semester im Land sind. Waaaaaaahnsinn!). Da sollten wir das Examen morgen doch mit links bestehen!

Freitag Nachmittag ist dann die Luft raus. Dann heißt es warten auf WG-Neuigkeiten, Stundenplanideen und Photomotive.
Wir wollen Meer, jedenfalls noch einmal, bevor die Herbststürme über uns hereinbrechen.

Tuesday, August 27, 2013

World War Z

!SPOILER ALERT! Oder: wie Brad Pitt mich dazu brauchte, mal wieder über den Impfstreit nachzudenken. !SPOILER ALERT!

Aber alles der Reihe nach!
Am Morgen war natürlich wieder "latviesu valoda"-Zeit! Heute hatten wir auch einen besonderen Gast: eine junge Frau von der ERASMUS-Organisation hat Supervision bei uns betrieben. Erinnerungen an Schulzeiten wurden wach, wenn die Lehrer ab und an vom Schulleiter oder, noch spannender, von Leuten vom Schulamt beim Erarbeiten ihres täglich Brotes beobachtet worden. Lettische skolotajas sind natürlich genau so nervös wie die deutschen Lehrerinnen. So wurde vergessen, uns die Haupttür zum Hörsaalflügel aufzuschließen. Hektisch wurde versucht in diesem Haufen gackernder Studenten Ordnung zu bringen, während die Supervision nur grinsend am Rand sitzt und auf ihrem Smartphone herumspielt. Natürlich wurde die ganze Sache von Lehrerseite aus zu ernst genommen. SSehr knuffig war es dennoch anzusehen. Lieblingssatz aus der Stunde: "Oskar, kā tevi sauc?" (Wenn du das liest, musst du doch zugeben, dass es gehörig knuffig war... ;) ).

Nach einem Nachmittag im Café mit WiFi, Hausaufgaben und der möglichen Eröffnung eines WG-Platzes (!!) ging es dann auf ins Kino.
World War Z in 3D. Für 4,75 LVL.... ich glaube, diese Preise werde ich definitiv ausnutzen! Und natürlich die Möglichkeit, Filme mit Original-Tonspur und lettischen Untertiteln zu sehen. Ein Traum wird wahr!

SPOILER ALERT! SPOILER ALERT! SPOILER ALERT!

Der Film an sich war nichts für meine Nerven. Schnelle Bilder, gefletschte Zähne, viel zu viel Kunstblut und immer wieder die Angst, dass die Viecher da durch die Leinwand gestürmt kommen. Ich war doch sehr stolz auf mich, dass ich in all dem Herzrasen nicht meinem Nachbarn den Arm abgerissen habe...

Apropos Viecher. Schon das erste Problem für meine Moral. Ein Thema, was aufgrund des natürlich alles beherrschenden Überlebensinstinkts nicht angeschnitten worden ist, aber im Nachhinein für viel Nachdenken sorgen kann. Sie (=Zombies) sehen aus wie Menschen! Gut, ich gebe zu, ich kenne mich in der Zombie-Materie ungefähr so gut aus wie mit der Funktionsweise eines Bremssystems im Auto: treten = bremsen, ergo: Biss = Zombie. Aber kann man damit den Menschen von allem (Gewissen, Selbstbestimmung, ...) freisprechen? Hoch philosophisch.

Anderer Gedankenanstoß, zum Thema Impfstreit: bietet dieser Film "Argumentationsgrundlagen" (natürlich: SciFi!) für beide Lager? Einerseits: Vaccination schützt. Andererseits: eine tödliche Krankheit zu haben, schützt. Was steht im Vordergrund? Die Tatsache, dass man die "größere" Krankheit mit einer Impfung eindemmt, oder die Tatsache, dass Krankheiten (gegen die es potentiell ein Gegenmittel gibt (Maingoal für Brad Pitt) - für deren Prävention allerdings auch das Forschen an einem Impfstoff möglich wäre - siehe Meningitis!) evolutionären Selektionscharakter besitzen?

Ich hätte nie gedacht, dass ein Hollywood-Film mich so zum Grübeln und Nachdenken anregt. Klar. Zombies sind für mich purer SciFi. Ich nehme nicht mal den Hauch einer Möglichkeit, dass das wahr werden kann, in näheren Augenschein. Aber der Film bietet viel Raum für Diskussionen, wenn man mal etwas genauer hinschaut.
Ich bin mir nicht mal sicher, ob ich ihn vom reinen Unterhaltungswert her gut fand. (Ehrlich gesagt war ich auch mehr damit beschäftigt, meine körperlichen Reaktionen wie Tritte gegen den Vorder-, Schläge gegen den Seitnachbarn, Bisse in die eigene Hand unter Kontrolle zu halten...) Aber Freunde von Katastrophenfilmen und Zombieliebhaber dürften sich wohl darüber freuen.

END OF SPOILER! END OF SPOILER! END OF SPOILER!

Anyway: morgen geht es an die RSU zur Orientation Week. Kurz vor meinem sich anbahnenden Nervositätsanfall haben wir heute auch endlich die Stundenpläne zum Basteln zugeschickt bekommen. Morgen Meeting mit dem Buddy und ein wenig herumstromern, übermorgen gibt es dann die Student ID und das Contract Signing.

Außerdem: possible flatshare werde ich morgen besichtigen. Es heißt also: DAUMEN DRÜCKEN!

Sunday, August 25, 2013

Zuckerbrot und Peitsche

A L L E S ist süß. Angefangen beim Brot (Aber immer mit Kümmel, bitte schön!), über das Käse-Schinken-Brötchen, die Haxe, das Sauerkraut bis hin zum Alkohol. Apropos: lettischer Alkohol, dieses Teufelszeug. Jägermeister wird hier mit einem Stück Orange serviert, damit der deutsche Kräuterschnaps nicht zu sehr die lettischen Zungen maltretiert. Süßes Bier, wenn es nicht gerade an der Grenze zu Russland gebraut wurde. Und der K.O.-Schlag, das Todesurteil, die Henkersmahlzeit für eine Partynacht (oder eher den Morgen danach): Vodka mit Apfelsaft, Zimt und einem Stück Orange. Nach den zwei durchtanzten und -zechten Nächten bin ich froh, dass mir meine "eye-sight" erhalten geblieben ist. Nach all den Geschichten über Selbstgebrannten...
So langsam glaube ich, dass Elli Recht hatte. Wir werden alt.

Kommentar von Edgars. "You might be drunk. But you are not Latvian drunk yet!!"


Rīga by day

Bilder, die beim Riga-Festival entstanden sind.
Im Wagner-Saal.
Im Domgarten.
An der Daugava.

Ethnographic Open Air Museum

Kulturelle Weiterbildung.

Nach unserer kleinen Stadttour am Mittwoch Nachmittag sind wir am Freitag gesammelt zum Ethnographischen Freilichtmuseum im Randbezirk von Rīga aufgebrochen. Ich bin immer wieder überrascht, wie sehr sich Straßenbahnen verschiedener Städte doch von einander unterscheiden! Schaut man sich allein Chemnitz, Dresden und Leipzig an, hat man eine große Bandbreite (die alten Wagen mal ausgenommen) - und Rigaer Trams sind wieder etwas ganz eigenes: sehr futuristisch aber auch "pleasant to the eye".

Das Freilichtmuseum hat ungefähr die Größe von Vecrīga (Altstadt). Mitten im Wald entdeckt man die unterschiedlichsten Gebäude aus den 4 Gebieten Lettlands (Kurzeme, Latgale, Z..), die meisten entstanden um das 17./18. Jahrhundert herum. Diese Gebäude wurden um 1924, als das Museum gegründet worden ist, aus den Gebieten direkt in das Museum eingegliedert. Und man findet alles: vom Langhaus, über die orthodoxe Kirche bis hin zu zwei Windmühlen! Dazu sind die einzelnen Häuser mit viel Liebe zum Detail im Inneren hergerichtet worden: Bettwäsche, Öfen, Spinnräder, Späne (die man statt Kerzen als Lichtquelle genommen hat), selbst gestrickte Handschuhe,... und und und. Auch wurden ganze Gehöfe in das Museum gebracht, sodass das Gesamtbild stimmig ist.
Über Trampelpfade gelangt man von einem "Ausstellungsstück" zum nächsten, tritt dabei in Ameisenhaufen und fühlt sich in die siebte Klasse zum Wandertag versetzt. Wie ich das vermisst habe!! Es war ein wirklich sehr schöner Ausflug.

Aber das zeigen die Bilder ja mit Sicherheit auch.

Friday, August 23, 2013

Latviešu valoda

Sveiki!

Es esmu Stefānija. Man ir divdesmit divi gadi un es esmu no Vācijas.
Es studēju medicinu, es gribētu strādāt par ārsti Vācijā.
Man ir maza ģimene, bet mēs ļoti mīlam viens otru.
Mana mamma un mans tētis ir ļoti lieli. Mans brālis ir funny.
Mums ir viens kaķis. Viņu sauc Čarlī. Viņş ir skaits bet resns un slinks. Haha!

Es mīlam mana ģimene un mani draugi.
Mani draugi ir Māja, Frensija, Feliks, Elīza, Luise un visi citi traki cilvēki.
Es skumstu pēc viņiem.
Es nezinu, kās viņi taista.
Es zinu: Viņi neuztvers mani.

Skūpsts!!

Wednesday, August 21, 2013

Rückschläge

Vor einer Woche saß ich im Bus nach Berlin. Und plötzlich: Riga. Es war wie ein Schlag ins Gesicht, an der Busstation auszusteigen, die beiden Koffer in den Griff zu kriegen und in die Empfangshalle zu stolpern. Auf Modris warten, der mich zum Hostel bringen sollte. Und nicht kam. Dafür ein Mädchen, dessen Namen ich vergessen habe. Ab ins Taxi und los gings.
Es war wie ein Banküberfall: so schnell vorüber, dass man überhaupt nicht mitbekommen hat, wie es stattfand. Nur rückblickend kann ich verarbeiten, was an dem Tag überhaupt in meinem Kopf los war. Raus aus dem Bus: Kopf aus. Das Licht in meinem Hirn ging erst wieder an, als ich in meinem Zimmer im Hostel saß. Zu viele Eindrücke, zu viel Aktion.

Noch passiert zu viel Neues, als dass man auch nur über Heimweh nachdenken kann.
Täglicher Sprachkurs zum Mundbodenmuskeltraining, die Wohnungssuche läuft nicht wie erwartet und die Uni beginnt in nicht mal zwei Wochen.
Es gibt genug zu tun, aber sobald man einmal Fuß gefasst hat im Alltag, wird es sich nicht mehr leugnen lassen, dass ich mein zu Hause vermisse.
Familie. Freunde. Kommilitonen. Dresden. Chemnitz. "Nu!". "Sänk ju for träwelling wiss se Deutsche Bahn!".

Der Kopf brummt, der Schlaf ist nicht erholsam und die Zeit fliegt.
Manchmal habe ich Angst, dass meine Liebsten zu Hause auf der Strecke bleiben.

"Ich weiß nicht, was die Zukunft bringt,
Ob ich in ihr eine Zuflucht find,
Denn das wonach ich auf der Suche bin,
Hab ich schon längst vergessen.

[...]

Was tut mir gut, was nicht?
Ich brauch mich, ich find dich.
Wer nicht vom Weg abkommt,
bleibt auf der Strecke."

Mit Rīga bin ich schon gewaltig vom Weg abgekommen. ;)
Hoffen wir, dass ich nix und vor allem niemanden liegen lasse.

Tuesday, August 20, 2013

Regenzeit

Die lettischen Frauen beeindrucken mich doch stark.

Sie tragen Highheels, Stilettos, Peeptoe und anderes Wadenmuskel verkürzendes Schuhwerk und schweben damit, wie es eine echte Lady nun mal tut, über das Pflaster der Rīgaer Altstadt. Von 5 bis 11cm Absätzen sieht man alles, und das auch bei jedem Wetter. Heute, bei Starkregen am Morgen, der meine  Regenjacke innerhalb weniger Minuten durchtränkt hat wie einen Schwamm in der Badewanne, stolzieren die Rigaer Mädels nur mit einem Schirm bewaffnet die Brīvības iela entlang. Ich bin schon sehr auf das Winteroutfit gespannt. Immer wieder eine Überraschung!!

Monday, August 19, 2013

Jūrmala

In unserem kleinen Hostel wohnt Edgars. Edgars ist ein gerade 20 Jahre alt gewordener Lette, der Bier, Kunst und Zigaretten über alles liebt. Wenn er nicht gerade in Rīga arbeitet,hängt er in unserer Küche rum zusammen mit einem Photographen aus Usbekistan, den alle nur Eugen nennen, weil wir uns seinen Namen nicht merken können.

Edgars und Eugen sei Dank haben wir es doch tatsächlich geschafft, die nächste Hürde zu meistern: die erste Zugfahrt an den Ostseestrand nach Jūrmala.
Es war wundervoll! Nicht nur, dass uns die Hin- und Rückfahrt nur 2 Lats (~3€) gekostet hat, das Wasser glasklar und eiskalt war und wir im schönsten Sonnenschein zu 12t am weißen Sandstrand herum lungerten - sondern das Gesamtpaket. Diese niedliche Stadt mit den schicken Häusern, den unglaublich zuvorkommenden Menschen... I‘m in love now!
Sand zwischen den Zehen, im Haar und auf der Haut. 27°C Luft- und 17°C Wassertemperatur. Wie Urlaub!

Um 9Uhr abends zu Hause ( Pulkstenis ir deviņi. Wie ich heute lernte.) sind wir noch mal kurz einkaufen gefahren (ja, die Supermärkte haben hier 7 Tage die Woche und von 8-24Uhr geöffnet!! Auch toll: Vodka-&-Fleisch-Regal, siehe Bild.) und haben dann zusammen gekocht: Nudeln mit Shrimps und Hühnchen, dazu Salat. LUXUS!! ABER: Wie geht das mit einer Pfanne für 12 Hanseln? Eugen war so lieb und hat uns seinen 1l-Kochtopf geliehen und es wurde etappenweise gearbeitet. Auch sehr interessant: Zwiebeln mit Plastikmessern schneiden. Um 12 gabs dann auch endlich was zwischen die Kiefer. Großes Lob an den Küchenchef!

Motto für heute: der Kopf raucht und die Zunge hat mittlerweile multiple Knoten vom Lettischsprechen.
Kur es emsu? Es esmu Rīgā.
Kas ir Vācija? Tur ir mājās.

Memo an mich selbst: ich brauche ein Lettischwörterbuch. ImSchullehrbuch gibt es nur die Russisch - Lettisch Variante. Schade wars, hätte ja klappen können.

Saturday, August 17, 2013

Rīga at night

Labdien!

Erster Tag in Lettland.

Nachdem ich gestern vollkommen breit in mein sehr gemütliches Bett geplumst bin und wie ein Stein geschlafen habe, ging es heute zu unserer ersten Stunde im Sprachkurs. Erste Hürde: mit dem Bus in die Altstadt kommen. Zweite Hürde: das Haus und vor allem den Eingang finden. Gottseidank wurden wir eingesammelt und herzlich empfangen. Wir sind ungefähr 15 Leute, darunter viele Deutsche, 3 Spanier, 2 Italiener und eine Polin. Fast alle aus unterschiedlichen Studienrichtungen: Sprachen, Architektur, Politikwissenschaften, Jura, Mediadesign,... eine wundervoll bunte Gruppe!!

Erste Stunde lettisch sprechen.
Oder es versuchen!

Sveiki!
Mans vards ir Stephanie.
Es esmu studente.
Es esmu no Vacijas.
Es studēšu Rīgā.

Wirklich witzig, wie wir uns alle die Zunge verdrehen, um die Worte rauszubekommen.
Mittags wurden wir eingeladen in ein original lettisches Restaurant. Sehr urig. Und bierig.
Es gab Spezialitäten (und Bier) aus jeder der vier Regionen Lettlands. Doch dem nicht genug! Es folgte eine Art Eisbein, allerdings in einer süßen Variante und als Nachtisch so etwas wie Bratapfel mit Preiselbeeren und einer wahnsinnig süßen Sahne. Danach sind wir aus dem Pub gerollt...

Momentan ist in Rīga ein Festival, viele Leute, Buden und Musik. (Die Straßenmusiker!!!) Das ganze Wochenende ist Action in der Stadt.
Also: Kamera holen und ab geht's ins Getümmel!

Kleine Anmerkung: da 2014 auf den Euro umgestellt wird, stehen jetzt schon überall die neuen Preise dabei: teurer als gedacht!!

Thursday, August 15, 2013

Busfahrten

Einmal von Dresden nach Riga, bitte!

Hätte mir vielleicht vorher jemand sagen können, dass das nicht ganz so witzig ist, wie es klingt? Auch hat mich keiner von dieser wahnwitzigen Idee abbringen wollen. Mehr als 24h Bus fahren. Wo ich doch schon im EV 11 von Pulsnitzer bis Albertplatz einen Koller kriege.
Steffi, was hast du dir dabei gedacht? Nicht viel, wies scheint.

Es könnte sicherlich auch ganz unterhaltsam sein. Aber nach 10min stören die Oropax, der Sitz ist unbequem (... und nicht verstellbar) und von der amerikanischen Komödie mit russischer Synchronisation versteht man auch nichts. Dafür amüsiert sich aber der halbe Bus samt Fahrer. Ja, richtig, der kann auch keine Silbe Deutsch.
Aber es könnte schlimmer sein! Es könnte eiskalt sein, reinregnen, ziehen, der Nachbar könnte bei Festtagsbeleuchtung lesen... immerhin, ich habe einen Sitzplatz und das Busklo scheint (noch) zu funktionieren. Was mich wirklich aufgemuntert hätte, wäre ein Döner am ZOB Berlin gewesen. Fatimas Kommentar zu der Sache:"Dönaa? Hammwa nich!". Schade, Fatima. Dann eben doch nur das TomatenMozarellaBrötchen zum Mitnehmen, bitte.

Abends, halb 10, noch in Deutschland.
Morgens, halb 10, irgendwo in Polen.

Hinterhof, eine unscheinbare Bushaltestelle. Mehrere Menschen steigen zu. Das ist doch nicht etwa Warschau? Da es außer für die unzähligen Zigarettenpausen keine Ansagen vom Fahrer gibt, habe ich langsam Angst, dass ich meine Ankunft in Riga ausschließlich an der Uhrzeit erkenne.
Im Fernsehen läuft Men In Black 3. Will Smith ist nicht wiederzuerkennen mit seiner wirklich nervigen russischen Synchronstimme.
Ich habe mittlerweile das Busklo erkundet und für mich selbst entschieden: nie, nie wieder!
Zurück an meinem Sitzplatz, der auch noch für die nächsten 8 Stunden meine Heimat sein wird, betrachte ich die kläglichen Überreste meines Handyakkus und widme mich wieder meinem Strickprojekt Lettlandschal. Nein, nicht rot-weiß-rot, sondern schwarz wie die winterliche Nacht. Passend zu meiner auch sonst so farbenfrohen Garderobe.

11:30Uhr Ortszeit (Osteuropäische Zeit?) - wir haben die kaum wahrnehmbare Grenze nach Litauen überquert. Ein einsames, grünes Häuschen und ein kleines blaues für den Zoll. Kurz danach: erste Sichtung von Störchen in freier Wildbahn, das gabs lange nicht mehr!
Der Bus ist fast noch genauso voll.

12:30Uhr - wir sind in Kaunus angekommen, viele sind hier in den Bus nach Vilnius umgestiegen, endlich Beine ausstrecken und die letzten Stunden Fahrt genießen. Wenn ich im student hostel in Riga angekommen bin, brauche ich erst mal einen Tee. Mein Hals fühlt sich an wie Sandpapier.

16:00Uhr - wir sind in Lettland!! Endlich!

17:30Uhr - Busstation Riga, Prāgas iela 1. Abgeholt nach kurzer Wartezeit von einer jungen Lettin, die mich mit dem Taxi zum student hostel bringt. Angekommen der erste Schock: kein WLan. Nach einem kurzen Plausch mit meiner polnischen Mitbewohnerin der zweite: das einzige, was wir in der Küche haben, ist EINE Pfanne. Nicht einmal Teller, geschweige denn Besteck. Wow.

Duschen, auspacken, ab in die Stadt mit meinem polnischen Roomie. Ein wenig die - wirklich sehr schöne!! - Altstadt erkunden. Aber immer noch kein Internet. Hätte ja klappen können...
Jetzt ist es auch schon nach 22Uhr und die Müdigkeit schlägt zu. Morgen früh müssen wir den Sprachkurs im LawCollege finden und uns wahrscheinlich mit den beiden italienischen Mädels von nebenan ums Bad streiten. Das wird ein Spaß. Ich brauche wirklich dringend eine WG, so läuft das nicht... in dieser Jugendherberge hier kann man sich ja einfach nicht zu Hause fühlen. Vielleicht finde ich morgen eine Ausschreibung oder so. Und irgendwie brauche ich auch noch eine neue, lettische SimKarte. Abenteuer Lettland hat begonnen.

Tuesday, August 13, 2013

Unwetterwarnung

Zwischen Sonnenschein und Regenwolken gibt es immer das kleine Zwielicht. Bevor sich der Himmel verdunkelt, gibt es diese paar Sekunden, in denen die Farben besonders brillant erscheinen. Als hätte jemand einen Kontrastfilter vor die Linse gehalten, nur für diesen winzigen Augenblick. Dann Regen. Das Schöne? Nach jedem Schauer kommt auch wieder Sonne.

Die Koffer sind gepackt, das Zimmer sieht immer noch aus wie Sau. Morgen um diese Zeit bin ich gerade in Berlin angekommen. Erscheint mir immer noch sehr unwirklich. Mittlerweile habe ich ein Wuseln in mir, heute Nacht wirds wohl nichts mit Schlafen. Dafür habe ich morgen und übermorgen genug Zeit, was soll man sonst 24h im Bus machen?

Wie eine intelligente Frau heute zu mir sagte: das ist wie eine Geburt. 9 Monate schiebst du diese Murmel vor deinem Bauch mit dir herum, und vom einen auf den anderen Tag dreht sich dein Leben um 180 Grad. Murmel weg, Baby da. Alle wollen es sehen, es halten, fragen, wie es so ist, Mutter zu sein. Man braucht "ihre" Zeit, um sich an die neue Situation zu gewöhnen. Und dann will man sich diesen kleinen Fratz nicht mehr weg denken.

Schauen wir mal, ob es eine unkomplizierte Geburt wird oder ob ich, wie damals vor mehr als 22 Jahren, doch die Zange brauche.

Warten auf Sonnenschein.

Monday, August 12, 2013

Der Anfang vom Ende

Ein seltsames Gefühl. 

Vor allem, wenn man in alter, gewohnter Manier die Schubladen in der Küche öffnet - und sie leer vorfindet. Oder im Zeitdruck an den Fleck an der Wand starrt, bis man begreift, dass die Uhr, die dort mal gehangen hat, heute mit all dem anderen Kram in Kisten verpackt worden ist. Dieses Gefühl, wenn man viele lieb gewonnene Menschen in den unterschiedlichsten Situationen verabschiedet - nach dem Mittagessen in der Mensa, der Zigarette auf den Treppenstufen oder einer Party, an die man sich nur noch sehr schemenhaft erinnern kann. Und alles unter dem Motto: nach mir die Sintflut. 


Mein Zimmer müsste eigentlich leer sein, schließlich verlasse ich meine Heimat in nicht mal 48 Stunden. Aber nein, hier liegt immer noch so viel nutzloser Krempel zwischen den ganzen Klamotten, Handtüchern, Büchern und Hygieneartikeln, die noch tetrisartig in die beiden viel zu kleinen Koffer einsortiert werden müssen, dass ich gar nicht sicher bin, ob ich wirklich alles dabei habe oder nicht die Hälfte zwischen dem Spittel verloren geht. Wird schon. Muss schon. Morgen ist auch noch ein Tag.