Man nehme eine Meute gut gelaunter, junger Menschen, vorzugsweise nach einer lange währenden Abstinenzperiode von einander, dazu den Wintereinbruch und, soweit vorhanden, einen warmen Ofen. Nach der Begrüßungszeremonie lässt man die Masse am Besten erst einmal für eine halbe Stunde stehen. Ob dies am Tisch zum Plätzchen ausstechen oder am Herd zum Glühwein umrühren geschieht, sei dem Koch selbst überlassen. Schließlich fügt man löffelweise unter ständigem Quatschen und Weihnachtslieder singen die Gemütlichkeit in Form von Ofenwärme zu, knetet den so entstandenen Adventsteig gut durch, bis eine homogene Masse der Fröhlichkeit entsteht und freut sich über das Ergebnis.
Meine Küche hatte sich gestern in eine Weihnachtsbäckerei verwandelt. Ähnlich dem Pizzabackvorfall waren es mal wieder viel zu viele Leute (weil ich ja nicht nein sagen kann) und eine bomben Stimmung, nicht zuletzt, weil endlich, nach zwei Monaten, die Nicgales-Gang fast vollständig zu einander gefunden hat! Evgeny hat es aus Taschkent zurück nach Riga geschafft und Edgars kam zwischen seinen Schichten auch kurz vorbei. Einzig die Spanier und meine Lieblingsitalienerinnen haben zum Nirvana gefehlt.
Nachdem Evgeny zum unzähligsten Mal das nicht alt werdene Argument "It's my birthday!" angebracht hat, folgte, was folgen musste: wir landeten im Greenwoods. Dieser Köder hat schon im Sommer wunderbar funktioniert und in unseren Ohren hörte es sich auch immer wieder sehr plausibel an.
Von Hanni und Benedikt nach Hause eskortiert, die meine Einwände, dass sie einen riesigen Umweg machen, geflissentlich ignorierten, landete ich gegen halb vier auch endlich in meinem Bett. Meine Jacke und Mütze waren durchnässt vom Schneesturm. Scheinbar hat Tief Xaver doch noch nicht an Puste verloren.
Dank vieler Hände hatte sich die Küche am gestrigen Abend fast von selbst gesäubert, weshalb ich jetzt entspannt an meinem Weihnachtskalendertee nippen und den Anblick von Riga im Schnee genießen kann... ein wundervoller, zweiter Advent!


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