Monday, January 13, 2014

Ode an die Vernunft

Manchmal fehlt mir der Tritt in den Hintern. Was heißt "manchmal" - in letzter Zeit fast ständig. Das fängt beim Aufstehen an, was sich in für mich unüblicher Weise fast schon zwei volle Stunden hinziehen kann, bis ich es endlich an den Küchentisch geschafft habe, und endet an meinem absoluten Unwillen, einkaufen zu gehen um den Kühlschrank zu füllen. Steffi steckt also mal wieder in einer kleinen Schaffenskrise, die sich dieses Mal nicht einmal durch Stricken beenden lässt. Ja, denn sogar dieses (laut Mutti zu Plattfingern führende) Unterfangen langweilt mich momentan zu tiefst. Und nein, dieser Blog ist nicht voller Melancholie, sondern eher der Versuch, von vorn anzufangen. Mit einer Ode an die Vernunft, mit dem Münchhausen gleichenden Versuch, mich an meinen eigenen Haaren aus dem Gammelsumpf zu ziehen, der da meine Freizeit ist. Es macht echt keinen Spaß, "überschüssige" Stunden alleine zu verbringen. Da der Großteil meiner Lieben aber entweder gedanklich schon am Packen ist, den Rausch der letzten Party ausschläft, in Schweden Ski fährt oder sich jeden Morgen zur Chirurgieclass schleppt, bleibt mir leider nur die Gesellschaft der kleinen, süßen Katze, die auf meinem viel zu häufig benutzten Kaffeepot prankt. Und natürlich die mir so lieb gewordenen Tagesschaureporter, die mir jeden Morgen aus der Heimat berichten. Selbst meine Mitbewohner sind mittlerweile kaum noch ansprechbar, wenn sie, wie paralysiert, über Oberarmknochen hocken und versuchen, alle Muskeln, Faszien und Nerven herunter zu beten. Anatomie, der Tod des freien Willens. Die Küche ist der Spiegel der Prüfungsperiode - und mittlerweile sind wir im Endstadium des Verdreckens angekommen. (Leider haben wir die zwanghafte Reinigungsphase zur Prokrastination einfach übersprungen, aber das ist ein ganz anderes Thema.)

Es ist ja nicht so, dass ich nichts zu tun hätte. Ein ganzer Packen Paper liegt hier zum Lesen, das Essay für Gynäkologie im nächsten Semester will auch beendet werden und zum Antibiotika-lernen ist es nie zu spät. Ich könnte mein Photobuch für Namibia in Angriff nehmen, oder meine To-Do-Liste der Rigaer Museen abarbeiten. Meine geliebte Nikon strapazieren, Reisepläne schmieden und Bewerbungen für Famulaturen schreiben. (Zu meiner Aufschieberitis-Rechtfertigung: Frau Walter vom Klinikum Chemnitz hat mir leider noch nicht geantwortet.) Selbst die wahnwitzige Idee, sich jetzt schon nach einer möglichen WG für mein letztes Jahr in Dresden umzuschauen, hat schon von den Tiefen meiner Hirnwindungen den Weg in meinen Frontalcortex gefunden, ebenso wie das Neurologieskript für Dresden, was zum Ausdrucken bereit auf meinem Stick schlummert.

Man - nein, ich! - muss nur einfach mal anfangen.
Sieben Stunden Schlaf reichen und morgen haben mich die Erstsemestler in der RSU-Bibliothek wieder. Die können es sicher kaum erwarten, mit mir einen Tisch zu teilen und weiter über das neuste Pärchen des Jahrgangs zu tratschen. Dass nicht mal meine Oropax mich vor dieser so scheinbar überlebenswichtigen Information schützen konnten, ist mir immer noch unbegreiflich.

Also: beweg dich, Fräulein!

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