Zack! Arschkalt, eisig, Tiefkühlfach - innerhalb von zwölf Stunden fielen die Temperaturen um fast zwanzig Grad und ich verliere Handschuhen zum Trotz fast meine Fingerspitzen beim Fahrradfahren. Dazu strahlender Sonnenschein und der blauste (ja, ich weiß, dass man Farben nicht steigern kann) Himmel, den Riga seit Wochen gesehen hat.
Die wenigen H2O-Moleküle, die es auf Straße, Gehweg und öffentliche Parkanlage geschafft haben, überziehen alles mit einer glitzernden, sanften und hauchzarten Puderzuckerschicht - so lange Vorübergehende ihre Finger von der weißen Pracht lassen können.
Atemwolken um blassblaue Lippen und gerötete Wangen. Ich habe so etwas lange nicht mehr gesehen, aber ich glaube, man nennt es "Winter". Den zwölf Graden unter Null zum Trotz sind Hanni und ich heute dennoch in den Mežaparks zu einer Neuauflage Nordic Walking - allerdings ohne Krötenstecher. Dafür hatte ich meine geliebte Nikon im Gepäck und habe es mir nicht nehmen lassen, das pittoreske Ensemble von erstarrten Wellen am Ufer ganz unromantisch als .RAW festzuhalten. Jaja, das Wunder der modernen Technik!
Das Leben kann sich innerhalb weniger Sekunden drehen. Es müssen nicht immer die 180° sein, manchmal reichen schon 5 für einen neuen Blickwinkel und Ideen. Sei es ein Lied im Radio, auf dessen Text man noch nie so genau geachtet hat, oder ein Buch, über dass man sich im ersten Augenblick nur aufregen möchte, bis man erkennt, wie viel es anderen doch bedeuten kann. Oder eine spontane Nachricht von alten Freunden - oder bewusst verlorenen gegangenen Ehemaligen. Der Geruch von Apfelschwarztee mit einem Hauch von Honig, der den Geschmack zum Strahlen bringt. Das erste Plov- oder das x-te Sushiessen. Eine neue Aufnahme eines bekannten Songs. Ein Zitat auf schwarz-weiß.
Das Gebilde, in dem unser Geist haust, ist schon faszinierend und ungefähr so flexibel wie eine Akrobatin des Chinesischen Staatscircus. So lange überblähte Erwartungen von anderen, die Angst vor eigenen Schwächen oder der innere Zwang, es allen anderen Recht machen zu wollen, mich nicht an den Boden fesseln, so lange bin ich auf und davon in meinem Wolkenschloss.
(Und ist es nicht auch wunderbar, wie fluktuierend die Bedeutung des Blog-Titels ist, je nach dem, wie man die Intonation verändert? Spielwiese: deutsche Sprache!)
In nicht mal mehr einem Monat geht es los: der Besuchermarathon! Hui, wie ich mich darauf freue! Jeden Monat neue Gäste und immer viel zu tun. Parallel dazu wahrscheinlich nur drei oder vier Kurse an der Universität und das lange aufgeschobene Reisen im lettischen Frühling. Es wird eine Wonne! (Dass ich auf dem Weg dort hin wohl noch frostige Minusgrade weit unter den heutigen aushalten muss, lassen wir einmal beiseite. Wer lässt sich schon gern die gute Laune von Wetterfröschen trüben?)
Danke, Hanni!
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