... and I say hello.
Wenn man ehrfürchtig die Kalender gegen neue austauscht, sich voller Tatendrang hohe Ziele setzt - vielleicht aber auch auf dem Teppich bleibt, und mit dem Vorsatz anfängt, wenigstens jeden zweiten Tag den Abwasch zu erledigen - und alle der Meinung sind, dass die persönlichen Glücksreserven bis zum Überlaufen aufgefüllt wurden, dann sind wir im Neuen Jahr angekommen. Wenn ich eine Tatsache herausheben müsste, die mir im letzten Jahr bewusst geworden ist, dann ist es nicht nur das Unvermögen meines Mitbewohners zur Hygiene im Haushalt beziehungsweise zur Änderung derselben, sondern viel mehr, dass der Ausspruch "Neues Jahr, neues Glück" ebenso bedeutungslos ist wie die Anwesenheit von Pseudomonas aeruginosa in den verkeimenden Töpfen in Hinsicht auf den Putzdrang meines Mitbewohners (,was nicht heißt, dass es mir nicht in den Fingern juckt, diese Brühe eines Tages über seinem Bett zu entleeren). Meines Unglaubens an Neuanfänge in 2014 und an plötzliche Besserung besagten Herrens zum Trotz, ist um mich herum gerade viel in Bewegung. Vom Kalendertausch und dem damit beginnenden Kampf, auf offiziellen Dokumenten alle grauen Zellen zusammen zu nehmen, um das korrekte Datum zu notieren, mal abgesehen, ist auch der Untergang des Lats besiegelt. Viele Letten haben mit Bibbern und Graus diesen Wechsel erwartet, die wenigsten ihm entgegen gefiebert, aber sich dagegen wehren war ebenso aussichtslos wie mein tägliches künstlerisches Drapieren der dreckigen Teller zum Mahnmal der Abwaschpflicht. Sie haben sich, ebenso wie ich, dem ganzen ergeben. Und trotz der verbleibenden Frist von sieben Tagen, sieht man kaum noch die alte Währung im Umlauf. Selbst die Kaffeeautomaten in der Universität wurden, sehr zu meiner Missgunst, bereits auf Euro umgestellt. Die (positive) Kehrseite der Medaille? Ich bin erstmalig seit meiner Ankunft in diesem Land schneller mit Geld-nachzählen als die Kassiererinnen! Jackpot!
Dieser kleine Hoffnungsschimmer am Horizont kann mich dennoch nur schwer über die Tatsache hinweg trösten, dass das Wintersemester langsam aber sicher zu Ende geht. Das wäre, als simpler Fakt genommen, auch nicht so schlimm. Das Problem ist, wie bedeutungsschwanger diese Aussage ist. Viele der Menschen, mit denen ich die ersten und intensivsten Momente erleben durfte, die ich fast täglich sehe und durch welche ich immer wieder neue Seiten (oder seien wir ehrlich: Cafés) in Riga kennenlerne, sind gerade auch die Menschen, die gedanklich schon ihre Koffer packen und das Sommersemester in ihrer Heimat organisieren. Es sind die Menschen, die meinen Alltag ausmachen, dem ganzen Rückgrad geben und mich aus meinen kleinen melancholischen Phasen wieder problemlos ans Licht bringen. Die Ersatzfamilie. Es war hart genug, in Deutschland von allem Bekannten Abschied zu nehmen und in neue Gewässer aufzubrechen, aber nun, mitten auf See bei unleugbar hohem Seegang das Boot, in dem wir alle gemeinsam saßen, diese Konstante aufgeben zu müssen... hui, das wird schwer. Lichtblick am Ende des Tunnels: bald ist Februar. Was so viel heißt wie: "Welcome to Riga, Francie und Felix!!"
Der Tageskalender, der in meinem Weihnachtspaket war, bescherte mir zum ersten Wochenende im Neuen Jahr eine wundervolle Weisheit: "Der ideale Tag wird nie kommen. Der ideale Tag ist heute, wenn wir ihn dazu machen." (Horaz) Die Tatsache, dass ich quietschvergnügt in meinem Bett liege, eine wolligwarme Wärmflasche, die mir meine engelsgleiche Mitbewohnerin zu Weihnachten geschenkt hat, mir die Füße wärmt, bestätigt, dass ich anfange, mir diese simplen Worte zu Herzen zu nehmen. Ja, heute war ein idealer Tag: eine gesunde Portion Schlaf, ein wenig Kribbeln im Bauch und Sympathikusaktivierung dem Abenteuer einer Augenheilkundeprüfung sei Dank, Coffein gepaart mit reizender Gesellschaft in einem neuen (o-lala!) Kafejnica, selbstgemachtes Sushi und Backexperimente mit selbiger Begleitung, neue Garderobe, neuer Haarschnitt, ein wundervoller Abend mit Freunden (auch, wenn ein Herr eindeutig gefehlt hat!) und eine erfrischende Runde auf dem Fahrrad Richtung Heimat, natürlich mit einem Lächeln im Gesicht.
Vorsatz für 2014: liebe die Zukunft, lebe im Heute und lache über die Vergangenheit.
I don't know why you say goodbye -I say hello!
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