Wednesday, November 13, 2013

Intermezzo

Die Tage werden kürzer und grauer - nur nicht kälter. Während Deutschland bei Minusgraden zittert, erfreuen wir uns hier noch an 5 Graden über Null. Und das in Lettland, im November. Wer hätte das schon gedacht? Bisher hat noch keine Schneeflocke ihren Weg auf die Brivibas iela gefunden, aber die Weihnachtsstimmung ist schon da. Spätestens seit Sonntagabend, als ich endlich das Ballet zu der mir so bekannten Musik von Tschaikovsky gesehen habe: der Nussknacker. Die allererste KlassikCD, die ich besaß, war eine Beilage von einer Reader's Digest-Ausgabe meiner Mutter: eine, sagen wir, "Best of" Tschaikovsky-Platte. Seit dem Tag steckt der Russische Tanz in meinem Kopf fest und ich musste doch sehr an mir halten, nicht wie ein kleines Kind freudig in die Hände zu klatschen, als die altbekannte, mitreißende Musik erklang und der Russe mit zwei Damen über die Bühne fegte und - neben dem Chinesenpärchen - den kräftigsten Applaus im Rahmen des Divertissements bekam.
Seit dem denke ich an Weihnachten. Noch lässt das Heimweh auf sich warten, aber in spätestens drei Wochen werde ich mich dafür verfluchen, nicht nach Hause zu fahren. Aber: ich wollte es so! Also, auf ins Abenteuer!

Geburtshilfe war wie immer eine Herausforderung. Heute allerdings kontrovers zur sonstigen Prüfungsangst im Rahmen des Frühstück-im-Magen-behaltens. Zwei Filme aus den gefühlten 80er Jahren über Kaiserschnitt und Vakuumgeburt später bin ich schockiert. Mal davon abgesehen, dass die aktuellen Leitlinien mit mehr als 50% des Gesagten nicht konform gehen, wurde es auch nicht von unserer Kursleiterin adressiert. Allerdings ist sie "nur" im Assistenzjahr. Dass sie jedoch nicht weiß, wie man die Zange zur Zangengeburt benutzt, schließt oder beim Kaiserschnitt einsetzt, hat mich doch ein wenig an ihrer Kompetenz zweifeln lassen. Nichts desto trotz ist sie eine Liebe und wird sich sicherlich reizend um ihre kleinen und großen Patienten sorgen. Frau Professor Sowieso wurde dennoch von mir schmerzlichst vermisst. Ihrer Fragetechnik zum Trotz, die einem das Gefühl gibt, dass das Lesen der 450 Seiten langen Leitlinie zu Geburtsvorsorgeuntersuchungen nicht als Kursvorbereitung genügt. Da Lehrer, die einen bis an seine Grenzen fordern, aber eh die Besten sind, fiebere ich schon meinem Praxistag auf der Station entgegen.
Jetzt wartet die nächste Leitlinie zur postnatalen Beurteilung des Neugeborenen sowie Neugeborenenreanimation auf mich. 
Adieu!

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