Wednesday, November 20, 2013

Nikolaus von Myra

Dezember rückt näher und damit auch das Weihnachtskalenderplündern, Vanillekipferl backen (für alle Nichtkenner - und ja, ich durfte heut erfahren, die gibt es wirklich unter den Deutschen - ein wahnsinnig leckeres Backwerk mit Vanillenote und Puderzucker) und Schuhe putzen für Nikolaus von Myra. Wenn man einmal versucht, einem nicht deutschsprachigen Nichtgläubigen die Tradition des 6.12. näher zu bringen, und sich selbst einmal dabei zuhört, klingt es doch verdammt stark nach einem Einweisungsgrund in die Psychiatrische: Wahnvorstellung über Wahnvorstellung!

Ja, es gibt da einen Türken, der einmal im Jahr (wohl bemerkt an seinem offiziellen Todestag) von Haus zu Haus geht, in Wohnungen einbricht und Süßigkeiten in Schuh und Stiefel stopft. Scheinbar steckt er mit dem Christkind unter einer Decke, denn die beiden teilen sich den Generalschlüssel zu allen Türen. Nie findet man Spuren von ihm, nicht einmal Kekskrümel oder Zimtstaub. 

Warum tut er das Ganze? Warum Serienhausfriedensbrüche jedes Jahr in der selben Nacht? Hat er einen Fetish für geputzte Schuhe, der sich am 6.12. Bahnen bricht und bedankt sich mit den kleinen Geschenken für die Erleichterung seines Es? Oder ist es ein Zwang, der ihn Jahr für Jahr durch die Straßen treibt, aus der Angst heraus, dass etwas Fürchterliches passiert, wenn er ihm nicht Folge leistet? (Diese Theorie wird dadurch gestützt, dass Zwänge selbst verstärkend sind: Nikolaus von Myra agiert nicht mehr nur in der Türkei, auch macht er keinen Unterschied mehr zwischen reich und arm.) Vielleicht sollte sich der gute Mann mal in Therapie begeben. Aber wie kann man ihm helfen, wenn man ihn nie trifft? Gerichtliche Verfügung? Ich glaube, damit muss man zu aller erst nachweisen, dass er eine Gefahr für sich und/oder andere darstellt. Glücklicher Weise sind Körperverletzung mit Todesfolge eine absolute Rarität, wenn es im den Nikolaus geht. Nichts desto trotz kann es nicht gesund sein, was da Jahr für Jahr in Deutschland und anderswo passiert. Wir sollten also eine Organisation ins Leben rufen: Rettet den Nikolaus! Doch erst einmal seiner habhaft werden! Hier ist Kreativität gefragt: von mit Schlaftabletten gespickten Keksen über Druck getriggerte Tränengasbomben  in den Gummistiefeln bis hin zur harschen Variante der Bärenfalle. 

Er hat uns Jahrhunderte lang Gutes getan, jetzt ist es an der Zeit, ihm etwas zurück zu geben...

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