Zum ersten Mal fallen die Temperaturen tagsüber unter die Nullgradmarke. Die Pfützen sind kleine Eisspiegel, der Atem formt kleine Wölkchen und es hagelt.
Auf der Brivibas iela wird fleißig Weihnachtsschmuck aufgehangen und ich habe meine erste Mütze in moosgrün vollendet.
Mein Schreibtischschränkchen quillt über. Darin: die "Notration" von zu Hause. Lebkuchen, Marzipan, Schokolade, Nougat, Spekulatius in allen denkbaren Formen. Ganz oben drauf: zwei Weihnachtskalender.
Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich glauben, meine geliebte Familie zu Hause will mir die Qual des Kleidungskaufes für den Winter ersparen und setzt deshalb auf traditionelles Mästen, frei nach dem Motto: Fett hält warm. Glücklicher Weise gehe ich jeden Tag ins Fitnessstudio und besitze schon einen Daunenmantel, dicke Wuschelsocken und Lederstiefel mit Wolleinlagen, sodass ich diesen Schritt der Verzweiflung nicht gehen muss und es zu Weihnachten -toitoitoi- noch durch die Haustüre schaffe, ohne den zweiten Flügel der Tür öffnen zu müssen. Nein, Scherz beiseite: tausend Dank für die Leckereien!!! Ein kleines Stück Heimat in der Vorweihnachtszeit. Dazu noch Räucherkerzen von Oma, die am Wochenende feierlich angezündet werden, und Backzutaten von Mutti, die ich hier verzweifelt gesucht habe: blanchierte, gehackte Mandeln und dergleichen, perfekt für den Plätzchenmarathon, der bald beginnt.
Der fehlende Adventskranz wird auch substituiert: die liebste Dace hat mir einen selbstgemachten Kranz versprochen, den ich dann eigenständig schmücken und mit Kerzen bestücken darf. Ein wenig gespannt bin ich doch schon auf die lettischen Gepflogenheiten zur Weihnacht. Seit zwei Wochen beobachte ich schon einen kleinen, gerade erst aus dem Boden gesprossenen Laden, der, einmal eröffnet, ausschließlich Weihnachtsschmuck und Deko verkaufen wird. Momentan sind sie noch in der Einrichtungsphase. Tag für Tag füllen sich die Regale mit Rentieren, Kerzen, großen Strümpfen zum an-den-Kamin-hängen und dergleichen. Natürlich alles in Rot-weiß-golden. Nur der Schnee fehlt. Und der Geruch nach Glühwein.
Die Gemütlichkeitseinstimmung in die Vorweihnachtszeit am Samstagabend war ebenfalls ein voller Erfolg und nannte sich PJ-Party! Alle Mädels (gefeiert wurde bei Dace, gekocht mit Valerija und dabei waren Hanni, Kuki und ich) im Schlafanzug und Vili, der Nacktschläfer, im Schlafsack. Rein vom Unterhaltungswert könnte man meinen, dass Vili voll als Mann missachtet beziehungsweise als Mädchen integriert wurde. Es war ein lockerflockig entspannter Abend mit viel zu viel und viel zu gutem Essen, sodass wir es nur noch unter unglaublicher Anstrengung zur letzten Tram Richtung OldTown und schließlich ins Bett geschafft haben. Dem grautrübtraurigen Wetter zum Trotz hatten wir mal wieder Spaß und flinke Ideen: Hunger Games Part II anschauen, "Ala"-Barbegießung und Plätzchen backen.
Einziger Minuspunkt des ganzen Freudentaumels: ich hänge, wie jedes Jahr, mit den Weihnachtsgeschenken hinterher, was in diesem Jahr besonders tragisch ist, da sie sich mindestens zwei Wochen vorher auf den Weg nach Deutschland machen müssen. Aber: bald kommen ein paar freie Tage und dann wird geshoppt, was das Zeug - oder eher Päckchen - hält!
Eines von Muddi+Babba+Nico und eines von Oma+Opa
Das Schönste: die Briefe! (Dieses Mal auf Anhieb gefunden!)
Meine Notration Serotonin.
Hängen wir mal Weihnachtsschmuck auf. Zur Rush-hour.
Mütze! Danke für die Wolle, Muddi!





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