Tuesday, April 15, 2014

Like a pineapple

Wenn man die Zahl so betrachtet, sieht es doch nach gar nicht so viel aus: nur achttausendvierhundertundfünf Tage, die ich jetzt schon die wundervolle Luft dieser Welt schnuppere. Da komme ich mir gleich so jung vor, dass ich es dem Türsteher nicht übel nehme, wenn er mich nach dem Ausweis fragt... natürlich nur, bis ich das nächste Mal in den Spiegel blicke. Das letzte Jahr hat mir viele wundervolle Lachfältchen gebracht.

Ich hatte schon vieles: Schnee, Sonnenschein, Regen, Familie oder Freunde oder beides gemeinsam, ein Ständchen morgens um 7 zwischen Wohnheimtür und Angel, Ostern, Jugendweihe oder zwischen den Abiprüfungen, an Wochenenden, Unitagen, in den Ferien. In Chemnitz, Dresden oder bisherige der All-Time-Favorite: in Hamburg.

Eigentlich bin ich nicht der Typ für solche Zelebrierungen. Zu den meisten meiner Feiern musste man mich regelrecht zwingen - vielleicht waren sie deshalb immer so schön. Doch dieses Jahr war wirklich ein ganz besonderes. Nicht nur, weil es die erste (und wahrscheinlich einzige) Feier in Riga war. Es war auch die (bisher) internationalste! Außer dem Offensichtlichen waren vertreten: Lettland, Spanien, Italien, Frankreich, Usbekistan, Polen und Norwegen. In diesem neuen Lebensjahr hatten außerdem die Geburtstagsvideos ihre Premiere. Gleich zwei einzigartige Filmchen haben den Weg zu mir gefunden und mich herzlich zum Lachen gebracht. Außerdem haben mich fünf Briefe, die Bestquote in dreiundzwanzig Jahren, erreicht - davon einer mit dem süßesten Photobuch, was die Welt je gesehen hat, und ein anderer, vollkommen unerwarteter, mit einem Bild, was mir fast die Tränen in die Augen trieb - so voll war es an Erinnerungen.
Apropos Erinnerung. Ich war überrascht, wie aufmerksam meine Lieben meinem Gebrabbel lauschen, dass sie es sogar in Form einer Geburtstagsrede aufbereitet und vorgetragen haben...
Bevor ich mich der Rührseligkeit hingebe, sage ich einfach DANKE, DANKE, DANKE!

Ich hatte Besuch - dieses Mal aus Norwegen, was den Abschied am Flughafen ein wenig leichter gemacht hat. Meine liebste Stine hat mir die Ehre erwiesen und wir hatten - mal wieder - eine wundervolle Zeit. Der typische Mädelsurlaub mit unzähligen Shoppingtouren, Gequatsche und heißer Schokolade, Gesichtsmasken, Maniküren und was sonst noch so dazu gehört. Entschuldigung also an alle, die mich in dieser Zeit nicht oder nur schlecht erreichen konnten - wir sind in unserer eigenen, kleinen Welt gewesen.

Mittlerweile ist Frühling in Riga. Die Stiefmütterchen blühen im Park und die Wiesen werden endlich wieder grün. Der April hat uns voll im Griff mit wechselhaften Temperaturen und erstaunlich viel Sonnenschein. Es wird Zeit für eine Phototour in dieser traumhaften Stadt, die durch Photonen gleich in ihrer Attraktivität ins Unendliche zu steigen scheint. Vielleicht morgen, wenn der Sonnenschein von Raquels heutigem Geburtstag bis dahin durchhält. Dann kann ich, nach dem wir in Lush unseren Geruchssinn temporär verloren haben, den Duft von frischem Gras in der vollen Natürlichkeit und nicht nur aus der Shampooflasche riechen.

Am Donnerstag kommt der letzte Besuch. Das wird seltsam in zweierlei Hinsicht. Einerseits habe ich, seit Januar, meine verbleibende Zeit in Besuche eingeteilt, was bedeutet: nach diesem bleiben mir nicht mehr viele Wochen. Weniger als zehn, um genau zu sein. Andererseits treffe ich Menschen, die ich am siebten August verabschiedet und seit dem nicht mehr gesehen habe. Meine Familie. Es ist nicht in Worte zu fassen, wie sehr ich mich auf dieses Wiedersehen freue. Wir könnten Wetten abschließen, wann ich dem Heulen eines Schlosshundes näher komme: beim Abholen oder beim Verabschieden vom Flughafen? Es war immer hart für mich, wenn ich mir wichtige Menschen zum Flughafen bringe und vor der Sicherheitskontrolle kehrt mache und in den Bus Richtung Riga steige. Meine Familie ohne mich nach Hause fliegen zu sehen... herrje.

Von Rührsal über Trübsal hin zu den wichtigen Dingen im Leben: der Entwurf meiner Überlebensstrategie, falls World War Z oder Shaun of the Dead Wirklichkeit werden. Was ich bisher, zwei überaus engagierten Herren zum Dank, gelernt habe: Deutschland ist ein schlechter Ausgangsort was das Überleben angeht und ich sollte dringend meine Facharztpräferenz überdenken. Über was man sich eben so unterhält, nicht wahr?

Und zum Abschluss:
Ein Alligator ist ein Krokodil mit Auffahrunfall. 
Nein, Erklärung gibt es keine.




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