Ich habe meinen ersten Koffer gepackt. In einer Nacht-und-Nebelaktion habe ich den Kleiderschrank von unnötigen Platz okkupierenden Textilien befreit und radikale Entscheidungen getroffen: Koffer oder Mülltüte? (Nicht Mülltüte als Endlager, sondern viel mehr als Wegbereiter für Secondhand und Kleiderspende) Beides füllte sich rasant und eine Stunde später konnte ich endlich wieder die dunkelbraunen Regalböden sehen. Ich glaube, ich habe ein Shoppingproblem. Den Krimskrams in meinem Bücherregal habe ich mir für die nächsten, Post-Prüfungstage vorgenommen. Man soll sich ja jeden Tag eine kleine Freude machen, nicht wahr?
So stückchenweise, wie sich mein Zimmer auf der Brivibas iela in seine alte, steffifreie Form zurückverwandelt, so länger wird die To-do-Liste der zu erledigenden Sachen. Mein Terminplaner hat schon einiges Hin und Her über sich ergehen lassen müssen. In meinem Kopf herrscht Chaos, was sich nicht ordnen lassen kann. Zwischen benignen Ovarialtumoren und Eklampsietherapie taucht immer wieder die Frage nach Mitbringeln auf. Die Vormittage im Coffee Inn wechseln mit Nachmittagen im Muffincafé und Radtourplanung. Vilnius wollten wir noch sehen und die Sojasoße würde gern noch einmal auf selbst gemachtes Sushi treffen. Wir haben große Pläne, zu wenig Zeit und fast unzerbrechliche, gute Laune. Das Wetter ist wechselhaft wie mein Gemüt, aber den Sommer habe ich immer im Handgepäck.
Am Mittwoch kam Hanni zu Besuch - drei Tage Abstinenz von Gebärmutterhalskrebsprophylaxerichtlinien, yeah! Wie ich dieses bis zu beiden Ohrläppchen strahlende Lächeln vermisst habe. Die Energie, die Überschwinglichkeit, die mitreißende Euphorie. Lettland ist, wo wir hingehören. Dass ich in elf Tagen nach Deutschland aufbreche, ist zwischen Kofferpacken und Lernsessions hängen geblieben. Stattdessen genossen wir ein Dinner der Superlative - Knoblauchbier, Knoblauchspaghetti, Knoblauchparfait - und müffelten am Tag darauf zu früher Stunde im Leihwagen von Sixt auf der A10 Richtung Tukums. Road trip time!
Mit dem Soundtrack zu Everything is illuminated im Kopf nahm ich meine Pflichten als Beifahrer wahr und navigierte uns mit mal mehr, mal weniger aussagekräftigen Wegweisungen nach Kuldiga. Dieses winzige, malerische Dörfchen an der Venta in der Mitte Lettlands hat es mir angetan - und das, obwohl der Himmel wolkenverhangen war. Ähnlich wie in Kaunas findet man hier selten ein Gebäude, was über die zweite Etage hinaus gebaut ist. Viele der Häuser der Nebenstraßen liegen versteckt hinter liebevoll gestalteten Vorgärten. Die kleine Fußgängerzone ist gesäumt von überlebensgroßen Pappmachéevögelchen, die auf den Laternen thronen. Es war nicht viel Betrieb im Örtchen, außer einer Vorschulgruppe, die am Ventas Rumba, dem 246m langen Wasserfällchen (eher eine Wasserstufe) herumtollte, begegnete uns nur ein VW-Bus mit deutschen Erasmusstudenten, die wohl auch ihre letzten Tage nutzen, um das Venedig Lettlands zu sehen. Hier will ich mal Urlaub machen. Nach der obligatorischen Mittagspause ging es weiter nach Liepaja - eine Stadt, für die wir mehr Zeit gebraucht hätten.
Das im Kriegshafen (Karosta) versteckte, alte Gefängnis fanden wir erst im dritten Anlauf und außer für ein kleines Filmchen blieb uns keine Zeit mehr für angebotene Führungen oder ähnlichen Luxus, da uns die Rückfahrt nach Riga und der geplante Abend in der Alabar im Nacken lagen. Wenigstens schafften wir es noch an den Sandstrand Liepajas. Das Auto hatten wir in den Tiefen der Stadt abgestellt und verloren uns nach wenigen Schritten in der Fußgängerzone der Altstadt. Hinter dem Strandpark, in dem sich die Kiddies mit ihren Eltern bei Minigolf und Sahneeis tummeln, führen schmale Holzpfade über die Dühnen zum Meer. Schuhe aus und rein ins Vergnügen - der mit Abstand schönste Strand, den ich bisher in Lettland gesehen habe. Schwerer, weißer Sand, tosend-brandende Wellen und strahlender Sonnenschein machten diesen erstaunlicher Weise relativ menschenleeren Ort zum perfekten Highlight des Tages. Da man gehen soll, wenn es am schönsten ist, machten wir uns nach einer Viertelstunde wieder auf dem Weg zur Altstadt, genossen einen Illy-Kaffee und versuchten unseren Weg durch das Einbahnstraßenlabyrinth der Stadt zu finden. Wäre mein Kopf nicht von der Bohemian Rapsody gefangen genommen gewesen, hätten wir es vielleicht auch im ersten Anlauf geschafft. Die A9 brachte uns schließlich ohne weitere Umwege nach Hause.
Vierhundertsechzig-und-x Kilometer später fanden wir uns bei einem Cranberrybier und Knoblauchbrot in der Alabar wieder und stießen auf unsere schöne Zeit an.
Mit dem Soundtrack zu Everything is illuminated im Kopf nahm ich meine Pflichten als Beifahrer wahr und navigierte uns mit mal mehr, mal weniger aussagekräftigen Wegweisungen nach Kuldiga. Dieses winzige, malerische Dörfchen an der Venta in der Mitte Lettlands hat es mir angetan - und das, obwohl der Himmel wolkenverhangen war. Ähnlich wie in Kaunas findet man hier selten ein Gebäude, was über die zweite Etage hinaus gebaut ist. Viele der Häuser der Nebenstraßen liegen versteckt hinter liebevoll gestalteten Vorgärten. Die kleine Fußgängerzone ist gesäumt von überlebensgroßen Pappmachéevögelchen, die auf den Laternen thronen. Es war nicht viel Betrieb im Örtchen, außer einer Vorschulgruppe, die am Ventas Rumba, dem 246m langen Wasserfällchen (eher eine Wasserstufe) herumtollte, begegnete uns nur ein VW-Bus mit deutschen Erasmusstudenten, die wohl auch ihre letzten Tage nutzen, um das Venedig Lettlands zu sehen. Hier will ich mal Urlaub machen. Nach der obligatorischen Mittagspause ging es weiter nach Liepaja - eine Stadt, für die wir mehr Zeit gebraucht hätten.
Das im Kriegshafen (Karosta) versteckte, alte Gefängnis fanden wir erst im dritten Anlauf und außer für ein kleines Filmchen blieb uns keine Zeit mehr für angebotene Führungen oder ähnlichen Luxus, da uns die Rückfahrt nach Riga und der geplante Abend in der Alabar im Nacken lagen. Wenigstens schafften wir es noch an den Sandstrand Liepajas. Das Auto hatten wir in den Tiefen der Stadt abgestellt und verloren uns nach wenigen Schritten in der Fußgängerzone der Altstadt. Hinter dem Strandpark, in dem sich die Kiddies mit ihren Eltern bei Minigolf und Sahneeis tummeln, führen schmale Holzpfade über die Dühnen zum Meer. Schuhe aus und rein ins Vergnügen - der mit Abstand schönste Strand, den ich bisher in Lettland gesehen habe. Schwerer, weißer Sand, tosend-brandende Wellen und strahlender Sonnenschein machten diesen erstaunlicher Weise relativ menschenleeren Ort zum perfekten Highlight des Tages. Da man gehen soll, wenn es am schönsten ist, machten wir uns nach einer Viertelstunde wieder auf dem Weg zur Altstadt, genossen einen Illy-Kaffee und versuchten unseren Weg durch das Einbahnstraßenlabyrinth der Stadt zu finden. Wäre mein Kopf nicht von der Bohemian Rapsody gefangen genommen gewesen, hätten wir es vielleicht auch im ersten Anlauf geschafft. Die A9 brachte uns schließlich ohne weitere Umwege nach Hause.
Vierhundertsechzig-und-x Kilometer später fanden wir uns bei einem Cranberrybier und Knoblauchbrot in der Alabar wieder und stießen auf unsere schöne Zeit an.
Heute bin ich wieder im Café. Meine Konzentrationsfähigkeit hält sich in Grenzen, aber wenigstens liege ich, laut Lernplan, perfekt in der Zeit. Eine Premiere!
Morgen hat auch dieser Alltag ein Ende - morgen um diese Zeit sitze ich, wenn alles nach Plan läuft, gerade bei Lana, um nach meiner kurz zuvor bestandenen OSCE-Prüfung meinen grünen Zettel abzugeben und das Transcript of Records fertig zu stellen. Dann ist mein Studienjahr in Riga offiziell gelaufen. Was bleibt ist der mehrseitige Bericht für Auslandsamt und Studienstiftung sowie die letzten 10 Tage in meiner temporären Wahlheimat.
Dann heißt es durchatmen.
Start over. Smile. Repeat.
Morgen hat auch dieser Alltag ein Ende - morgen um diese Zeit sitze ich, wenn alles nach Plan läuft, gerade bei Lana, um nach meiner kurz zuvor bestandenen OSCE-Prüfung meinen grünen Zettel abzugeben und das Transcript of Records fertig zu stellen. Dann ist mein Studienjahr in Riga offiziell gelaufen. Was bleibt ist der mehrseitige Bericht für Auslandsamt und Studienstiftung sowie die letzten 10 Tage in meiner temporären Wahlheimat.
Dann heißt es durchatmen.
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