Für Donnerstag hatte der Wetterbericht Sonne und 20Grad Celsius vorhergesagt - und Frau Holle hat ihr Wort gehalten.
Doch die Arbeit kommt selbst im Erasmusaufenthalt vor dem Vergnügen, was in diesem speziellen Falle Vorlesungen heißt. Allerdings in einem Fach, auf welches ich mich schon seit meinem Klinischen Wahlfach im letzten Semester gefreut habe: Psychiatry. Ich wurde auch hier nicht enttäuscht. Herr Professor kam geleckt und geschniegelt pünktlich zum Vorlesungsbeginn und war dezent verärgert, dass "nur" 10 Studenten zu seiner lecture erschienen sind. Das hat ihn mir sofort sympathisch gemacht, das war ja wie zu Hause!
Die 2 lectures, die er gehalten hat, waren, obwohl erster Teil nur eine Einleitung zur Geschichte der Psychiatrie und zweiter Teil zu Schizophrenie, beide sehr interessant und unterhaltsam aufgebaut. Er weiß genau, wie man Studenten fesselt.
Wo bleibt das "Aber"? Keine Angst, es gibt keines. Denn genau wie deutsche Professoren ist dieser Mann ein Verehrer von Perfektion. Sei es bei seinem Kleidungsstil, seinen Vorlesungen oder dem Wissensstand seiner Studenten. Deshalb sollen wir auch bitteschön die Strukturformal von Chlorpromazin auswendig wissen und mit der des ersten Antidepressivums vergleichen können. Zur ersten Class. Als Einführungstest und Einstimmung für jede folgende Wissensüberprüfung zum Beginn der practical classes. Liebe Eltern, wenn ich jetzt noch einmal gefragt werde, ob ich hier zum Urlaub bin, dann werde ich kopfschüttelnder Weise die Antwort verweigern. (Ich hab euch lieb!) Nein, mal ehrlich. Ich dachte, er scherzt. So wie er uns angegrinst hat, habe ich es für einen guten Witz gehalten. Als um mich herum jedoch alle schnell die Augen aufs Blatt senkten, um die Formel hektisch abzupinseln, statt loszulachen, musste ich erst mal schlucken. Das ist man in der Dresdner Klinik ja nicht mehr gewohnt. Wissensüberprüfungen zu Beginn jedes Tutoriums, die Studenten würden lachend abwinken.
Wie dem auch sei, es war eine grandiose Einführung in die Abgründe der mental diseases.
Die Frau, die darauf den Raum betrat und mit uns fast 100 Minuten einen Spazier-(oder sollte ich lieber Irr- sagen?)gang durch die Krankheiten der Kinder- und Jugendpsychiatrie unternahm, blieb dem Motto "Gegensätze ziehen sich an der RSU magisch an" treu. Ein wenig brüchiges Englisch, dafür wunderbar verplant, verpeilt und immer wieder mit den Gedanken wo anders. Mittendrin machte sie pantomimisch einen Bären, einen Fuchs und einen Wolf nach. Martin schaute mich ein wenig fassungslos an und meinte: "What is happening right now?". Gute Frage. Nächste, bitte?? Vielleicht waren wir auch einfach zu hypoglykäm nach fast 300min Vorlesungen am Stück, dass unser Hirn uns seltsame Sachen vorgaukelte. Die heiße Schokolade danach war die perfekte Belohnung.
Halb 5 traf ich mich dann mit Chris und Oscar an der Centrālā Stacija. Unser Ziel: der Strand von Majori/Jūrmala zum Sonnenuntergangsknipsen. Steffi wollte Meer und Steffi hatte Meer bekommen. Ich glaube, ich werde süchtig nach dem Gefühl von Sand zwischen meinen Zehen und Wasser, was um die Knöchel spült. Zwar war es windig und relativ kalt (sobald die Sonne untergeht, fallen die Temperaturen schlagartig!) - aber das hatte auch sein Gutes: kaum Touristen, die durchs Bild wackeln.
Glücklich und zufrieden gegen um 9 wieder nach Hause gefahren, schnell noch bei Andi, Leo, Luca und dem verrückten Spanier vorbeigeschaut und ab ins Bett.
Dieses ist im Übrigen das selbe geblieben. Der kleine Knick in der Stimmung am Strand gestern Abend. Absage Nummer 4. Das Gute? Morgen habe ich eine Wohnungsbesichtigung. Wenn das klappt, wären die 4 Jungs und ich Nachbarn. Daumen drücken!
(P.S.: Heute: zu dritt 3xPsychosomatik. Sehr tolle Vorlesungen. Da freue ich mich auf meine ersten Classes!)
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