Sunday, September 8, 2013

The dog days are over

Auch, wenn es (mal wieder) eine sehr kurze Nacht war: ich habe lange nicht mehr so tief, traumlos und entspannt geschlafen. Es könnte am besonderen Kopfkissen mit sich ergonomisch anpassender Struktur liegen. Oder an dem Fakt, dass ich in meiner eigenen Bettwäsche schlafen konnte. Vielleicht, aber auch nur vielleicht, spielt auch mein neuer Aufenthaltsort eine Rolle. Denn, liebe Bloglesende, die Steffi hat jetzt endlich eine feste Adresse! 5th time's the charm, oder so.
Gefühlte 18m2 von viel zu vielen (die Wohnung ist renoviert, riesig und mit niegelnagelneuen Möbeln ausgestattet) darf ich jetzt mein Eigen nennen. Meine beiden neuen Mitbewohner sind beides Ersties an der RSU und, wie könnte es anders sein: Deutsche. Das ist die Nationalität, die in diesem Haus am häufigsten vertreten ist: ich weiß von einer MädelsWG unterm Dach, alles Medizinersties, und darunter wohnt - tadaaaaa - meine LieblingsjungsWG: Leo, Andi, Luca und VS (= verrrückter Spanier). So ein Glücksgriff! Warten (haha) lohnt sich manchmal doch. Meine latente Faulheit unterstützend fährt quasi vor der Haustür der Hauptpersonennahverkehr Rigas. Von hier aus kommt man, relativ entspannt, überall hin - unter anderem mit einem Trolleybus innerhalb von 20min zur RSU.

Es tut gut, endlich wieder klingelnd durch die Gegend zu laufen, da dieses meinen Mitmenschen die Nerven raubende Geräusch nur eines bedeuten kann: ich habe einen Schlüssel, den es gilt nicht zu vergessen. Menschen, die meine Vergangenheit kennen, wissen, dass ich mit diesen winzigen,Schlösser öffnenden Gerätschaften auf Kriegsfuß stehe. Die gute Nachricht: bis jetzt habe ich es noch nicht geschafft. Ich bin also immerhin schon 24h Schlüsselverlust-frei!
Die Koffer wurden erfolgreich und leer unterm Bett verstaut, das Regal mit meinen Büchern und der Kleiderschrank mit Klamotten bestückt. Der Kalender von Maja hängt neben dem Plakat der BigBand und der Magnet mit meinen "alten" Mitbewohnermädels klebt an meiner Schreibtischlampe. Meine Tasse steht fein säuberlich aufgewaschen mit den anderen im Schrank in der Küche und meinen Lieblingsplatz zum Frühstücken habe ich auch schon gefunden: wie in Dresden, im Sonnenschein auf dem Fensterbrett sitzend. Das einzige, was mir zu meinem Glück noch fehlt, ist eine Gitarre. Vielleicht findet man eine beim Student Market für ein paar wenige Lats.

Das große Experiment am gestrigen Abend: Leo macht selbstgemachte Klöße. Ich kam genau im richtigen Moment zur Tür herein, um beim kräftigen Kneten des Kartoffel-Ei-Mehl-Gemisches zu helfen. Nach einer Stunde, 1kg Kartoffeln und 1,5kg Mehl, viel Salz und Pfeffer, schwammen die kleinen runden Kugeln im kochenden Wasser. Sie waren noch nicht perfekt, aber geschmeckt haben sie allemal! Danach ging es natürlich noch auf eine kleine Runde in die Old Town, da wir schon beim Essen hektisch von Oscar und Schena angerufen worden sind, wo wir denn bleiben, es seien doch schon alle da. Der Abend endete, wie könnte es anders sein, mit Tanzen im Greenwoods, dieses Mal glücklicher Weise aber nicht bis zum Morgengrauen, das hätten meine Füße nicht mehr mitgemacht.

Das Erwachen am nächsten Morgen war ein Highlight für sich und könnte als Prädikator für die kommenden Monate dienen. Gegen um 11 habe ich es doch mal geschafft, mich aus dem Bett zu schälen, geweckt von verschiedenen, mir unbekannten Stimmen auf dem Flur. Nachdem ich, noch etwas schlaftrunken, meine Zimmertür geöffnet habe, gibt es die erste Überraschung: wir haben Gäste. Die zweite kam Sekunden später, denn das erste, was mir die hinkende, junge Dame entgegen brachte, war nicht etwa "Guten Morgen" sondern ein etwas hysterisches "Sag mal, hast du nen Kerl bei dir gesehen?". Offensichtlich fehlte Hinkefüßchen die menschliche Stütze an ihrer Seite. Nach kurzem Brainstorming unserer drei zermatschten, nach Schlaf lechzenden Gehirne kamen wir zu dem Schluss, dass er ja irgendwo in der Wohnung sein muss, da seine Schuhe noch vor der Haustür standen. Kurz darauf wurde er auch ausfindig gemacht: im Bett der Mitbewohnerin, vollständig angezogen (aber ohne Schuhe, natürlich) und mit einem Handtuch bedeckt. Leider war er nicht der einzige Gegenstand, der auf der Lost&Found-Liste von Hinkefüßchen stand, sie hatte beim heftigen Feiern letzte Nacht wohl nicht nur ihr Hüftgelenk eingebüßt sondern zusätzlich Geldbeutel, Schlüssel, Handy und Jacke verloren. Da sich die drei nicht im geringsten erinnern konnten, in welchem Club sie eigentlich feiern gewesen sind, fuhren sie nach 2h hektischem In-der-Wohnung-Herumgerenne zurück nach Vecriga und versuchten mit ihrer Schnüffelnase im Alkoholdunst von gestern zu navigieren.
Wie dieses Märchen ausgeht, weiß ich leider nicht, bisher ist mein Mitbewohner noch nicht wieder aufgetaucht.
Aber wie heißt es so schön: Wenn sie nicht (schon wieder) betrunken sind, dann suchen sie noch heute.
(In solchen Situationen bin ich immer wieder sehr dankbar für eine Zimmertür.)

Mittlerweile habe ich es, dank am Sonntag geöffneter Läden, auch geschafft, noch die fehlenden Kleinigkeiten zu besorgen. Wasserkocher, Kleiderbügel, Haken für die Handtücher, selbige zum Ranhängen, Stecknadeln zum Kalenderbefestigen und eine neue Zahnbürste. Vorbildlich wie ich bin, habe ich mein gestern begonnenes Werk - die Leitlinien für Schizophrenie durchzuarbeiten - heute beendet. Ich gebe feierlich zu, Professor Racans hat mich mit seinen angedrohten Wissensüberprüfungen zum Wuseln gebracht. Jetzt ist das Gewissen vorerst beruhigt.

Die Sonne scheint weiter im schönen Riga. Das schreit nach einem Spaziergang im Park.

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