Monday, September 2, 2013

Aufatmen

Das Wochenende versank in Schlaflosigkeit, zähen Stunden in gebeugter Haltung über den Stundenplantabellen, einer grippal geröteten Nase und viel, viel, viiiiiiiel Tee. Ein einziger Matsch, diese 72h, die mit einer grandiosen Nacht in Vecrīga begannen und mit dem Einschlafen auf einem Klappsofa in einer uralten Wohnung mit ebenso viel Charakter wie Lebensjahren endete. Es fühlte sich ein ganz klein wenig an wie Heimat. Noch bin ich mir nicht sicher, warum. Lag es daran, dass ich eine Tür hinter mir zumachen und selbst entscheiden konnte, wann das Licht ausgeschaltet wird? Oder waren es die wummernden Bässe von neben an, die mich an meine ehemaligen aber immer noch verrückten Nachbarn und ihre YouTubeParties in der an mein Zimmer angrenzenden Küche erinnerten? Egal, Licht aus.

Wie ich es liebe, barfuß auf Holzdielen bei Regenwetter und (für mich!) frühen Morgenstunden durch eine Wohnung zu tabsen und schweigend in meiner 8Uhr-Mürrischkeit meinen Morgenritualen nachzugehen. Noch ein Hauch von Heimat. Wie schön es doch ist, wenn man keine Angst haben braucht, dass die Putzfrauen mit Besen und Mob bewaffnet das Zimmer stürmen und einem verkünden, dass man in 5 Minuten das Hostel (mit noch nicht vollständig gepackten Koffern) verlassen haben muss.

Noch bin ich nicht im ZuHause für die nächsten 9 Monate angekommen, ich suche noch. Die Jungs haben sich nicht gemeldet (den Kommentar von wegen Deutsche, Jungs und Kommunikationsschwäche lasse ich mal galant unter den Tisch fallen). Nach einer kleinen like-a-hobo-crisis meinerseits am Samstagabend geht es aber jetzt wieder aufwärts. Die nächste Besichtigung steht für heute Nachmittag im Kalender.
Zwar fühlt sich die gegenwärtige Wohnung gegenüber der kleinen Kinderklinik sehr gut an - mit ihrem Charme, den man nur mit dem Alter bekommt. Die Türrahmen sind verzogen. Die Toilettenspülung darf man nicht vergessen abzudrehen. Im Bad gibt es keine Steckdose. Undundund.
In Deutschland hätte ich so nicht leben wollen. Hier sage ich mir: ich fühle mich wohl! Die alten Sessel sind bequem, die Räume gemütlich, die kleinen Schrammen geben der Wohnung das richtige Flair. Aber ich bin hier vorerst nur zur Zwischenmiete. Dafür ein ganz, ganz großer Dank an Carolina, Martin und Johannes!

Im Gegensatz zu mir haben viele aus dem Sprachkurs schon eine Bleibe gefunden. Nur meinen zwei Lieblingsitalienerinnen Alexandra und Claudia sowie ihrer mittlerweile in Rīga angekommenen Freundin ergeht es noch genau so wie mir.  Fingers crossed, ladies! We'll find something!
Bei den Herren der Schöpfung ware wir auch schon zum Kochen. Witzige Angelegenheit in einer Küche ohne Töpfe, Pfannen und scharfe Messer. Aber wir wären nicht hier, wenn wir nicht alle ein wenig neben der Spur und damit wahnsinnig erfindungs- und ressourcenreich wären. Aus den anfangs 5 Leuten wurden schnell 8 und schließlich 10. Die kleine Hostelfamilie hat wieder zu einander gefunden. Der einzige, der fehlte, war der verrückte, 19jährige Spanier der WG. Was vielleicht auch ganz gut war, schließlich gab es Reis, Hühnchen und Gemüsepfanne - letzteres Gift für besagten Spanier. Ich habe schon vieles erlebt, aber noch nie einen Menschen, der von sich behauptet, nie Gemüse oder Obst zu essen. Nichts gegen spanische Familienkultur, aber ich bin der Meinung, seine Mutter hat kläglich versagt! Das wird noch viele,viele witzige Geschichten aus der WG auf der Brīvības iela geben.

Momentan sitze ich in der Uni. Gerade hat Lana mir durch den Dschungel des Curriculums geholfen. Was mir sehr sympathisch ist: sie war selbst verwirrt.
Noch ein Pluspunkt: ich betrat das Zimmer und die begrüßte mich mit:"Hi Stephanie, how are you doing?". Meine ERASMUS-Mama!
Jetzt werde ich noch flink meinen Stundenplan in Tabellenform abtippen und dann heißt es endlich:

Die Uni kann kommen.

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