Regen in Rīga. Er ist nicht nur unberechenbar, sondern auch vielfältig. Allein auf meinem Weg in die Stadt musste ich mich mehrmals umentscheiden, was die Frage "Regenschirm ja oder nein?" angeht. Es gibt den harmlosen Tröpfelregen, den man als Prelude zur Stufe IIA - Tröpfelregen mit Windböen - sehen kann. Wenn man beim abrupten Umschwung von Stufe I zu II nicht schon dem verlorenen gegangen Regenschirm hilflos nachblinzelt, wenn er Richtung Straßengraben segelt, sollte man besagten Griff noch stärker umklammern, denn Stufe III lässt meist nicht lange auf sich warten: der heftige, platschende Landregen. Da Letten generell nichts von Mützen oder Kapuzen zu halten scheinen, kann man nur hoffen, dass man im Regenschirmgewirr der Straßen nicht untergeht. Unterbrochen wird Stufe III gern von Stufe IIB. Orkanwindartige Interludes haben mir heute mehrfach die Geduld und ebenso häufig fast den Schirm gekostet. Ich dachte, das Slapstick artige Komplettumkrempeln gehört eher in die Rubrik "Außergewöhnliches". Ich wurde repetitiv eines Besseren belehrt. Wenn man sich, als Nichtlette, entnervt dazu entschlossen hat, den Schirm Schirm sein zu lassen, kommt der Umschwung. Zurück zu Stufe III.
Herbst, du machst es mir manchmal nicht leicht, dich zu lieben!
Das Schöne an Tagen wie diesen ist, dass man fast schon dazu gezwungen ist, es sich gemütlich zu machen. Genau das haben Johanna und ich heute zelebriert. Erst das tief entspannte Schmöckern im wundervollen Robert's books-Store und anschließend Muffin naschen im niedlichsten und winzigsten Café, was ich hier in Rīga bisher gesehen habe. Hoch lebe das Erasmus-Leben!
Um das Klischee nicht vollständig zu bedienen: gestern Abend gab es Sectio Chirurgica live aus Tübingen mit einer Femurmarknagelung. Die vorbildlichen Medizinstudenten Martin, Johanna und Stephanie haben sich natürlich zum gemeinsamen Weiterbildungsabend getroffen und das ganze tot ernst genommen! So ernst, dass wir danach noch stundenlang in Johannas Küche saßen und medizinische Sachverhalte ausdiskutiert haben. Passend dazu wurden Speck, Zwiebeln, Knoblauch und Tomaten anatomisch korrekt seziert und zusammen mit Bandnudeln zu einer Speichel tropfenden Köstlichkeit arrangiert, die man dann, um die konstante Glucosezufuhr des Gehirns zu gewährleisten, natürlich in Gesellschaft und unter ständigem Gedankenaustausch zu sich genommen hat.
Eine gute Nachricht gibt es noch zu verkünden: unsere Heizung hat mittlerweile Hauttemperatur erreicht! Wenn man die Wohnung betritt, könnte man fast dem Trugschluss erliegen, dass es doch tatsächlich wärmer wird. Ich liebe dich, Psyche!
Das Wetter ist immer noch miserabel. Und jetzt habe ich nichts mehr, um mich selbst vom Psychiatrie-Class-vorbereiten ablenken zu können.
Kopf über hinein ins Strukturformellernen für das erste Testat am Montag (Ja, in Psychiatrie...).
Auf geht's!
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