Sunday, September 29, 2013

Burgenroulette

Die Woche beginnt am Freitag. Jedenfalls fühlt es sich so an.
Das könnte natürlich daran liegen, dass ich momentan nicht wirklich viel für die Uni zu tun habe und daher meine Wochentage anders fülle. Doch dieses Wochenende-von-Montag-bis-Donnerstag wird sich auch bald gegessen haben. Gott sei Dank, sei da gesagt. Mir fällt zu Hause und in der Bibliothek bald die Decke auf den Kopf. Wenn ich noch eine Woche länger die Ironie im "We love silence"-Schild im Lesesaal suchen muss, weil um mich herum wieder Leute telefonieren oder, noch nervtötender, lautstark Fußballspiele auswerten, kann ich für Stille meinerseits nicht mehr garantieren. Und ich kann LAUT werden. Liegt wohl in den Genen, nicht wahr, Muddi?

Freitag war Regen pur. Doch ich habe mich, nachdem mein unerschöpflicher Optimismus (das Finden eines dicken Pullis betreffend) einen kleinen Dämpfer bekommen hat, doch tatsächlich dabei erwischt, dass ich mir beim Anblick der digitalen Temperaturanzeige von 8 Grad Celsius folgender Satz durch den Kopf ging: "Passiert." Und mit einem Schulterzucken, den Regenschirm schützend über meinem noch zusätzlich mit einer Kapuze bedeckten Kopf aufgespannt, marschierte ich weiter im Slalom durch den Pfützenparcours nach Hause.

Der Samstag war kalt, windig und begann mit einem Regenguss wie aus Kübeln. Doch pünktlich um 9, als ich von Schena, seiner Freundin Anna und Edgars abgeholt wurde, klarte der Himmel auf und die Sonne begleitete uns auf unserem Weg nach Sigulda. Auf halber Strecke mussten wir stoppen. Das angeblich vollständig reparierte Auto, was sich Schena geliehen hat, hatte einen kleinen Teich im Fußraum der Beifahrerseite ausgebildet. Also Stop an einer Tanke mitten im Nirgendwo um das Schuhwerk der Frauen vor weiteren Schäden zu bewahren. Als das erledigt war  und wir zurücksetzten zum Ausparken, haben wir einen Teil des Grills verloren. Der wurde dann, vollkommen professionell, wieder mit diesen Plastikdingern befestigt, die dieses lustige Ratsch-Geräusch von sich geben, wenn man sie schließt, und die man nicht wieder öffnen kann. Jaja, ich bin ein absoluter Profi, was die Ausstattung einer normalen Garage angeht.

Schlussendlich haben wir es nach Sigulda geschafft. Die Stadt lag im Nebel, ebenso die Burg, welche ultramodern zu einer Auftrittsstätte umkonzipiert worden ist. Nach der kleinen Tour dort ging es weiter zur nächsten Burg, die man von der Stadtburg Siguldas aus schon sehen konnte: Turaida.
Hier war weit mehr Gewusel, die obligatorischen Deutschen waren natürlich auch vor Ort. Geendet hat unsere Rundfahrt, nachdem wir Edgars' Winterklamotten bei ihm zu Hause (ein Dorf in der Nähe von Cēsis) eingesackt hatten, in Cēsis. Die dritte und vierte Burg an diesem Tag. Zu erst ging es in die Ruine der alten Burg. Wir haben jeweils eine Laterne in die Hand gedrückt bekommen und marschierten also los. Keine Elektrizität, nur Kerzenschein. Man konnte sich richtig zurück versetzen in die dunklen Zeiten des Mittelalters. Frei herumstromernd erkundeten wir wie kleine, neugierige Kinder, jeden Winkel, jeden Aufgang und jede Nische im Gelände. Vor Freude strahlende Gesichter, als man endlich auf dem höchsten Punkt des Turmes angekommen ist. Der Ausblick wurde nur noch getoppt vom Ausblick des Turmes der neuen Burg. Ein Regenbogen und Sonnenschein über den Dächern von Cēsis.

Gegen halb 5 ging die Abenteuerreise wieder zurück nach Rīga, da ich noch eine Erasmus-Veranstaltung am Abend hatte: ein Abend auf dem Riverboat Misisipi. Viele witzige Spiele, ein monströses Buffett und unser eigener DJ - da konnte die Party losgehen! Zur zweiten Feier des Tages - dem Namenstag der ErasmusMutti Lana - haben wir baltische Laternen fliegen lassen. Das sind diese Lampions aus Reispapier, die wie ein Ballon in die Luft steigen. Dazu Rīga bei Nacht im Hintergrund und das alles ohne Regen. Wundervoll!

Heute, am Sonntag, haben wir uns bei Johanna getroffen, zu einem kleinen Get-together. Sie, ihre Superbuddies und noch einige mehr. Eine tolle, entspannte Runde, die den perfekten Abschluss dadurch gebildet hat, dass mir Dace (Buddy von Johanna) ihre Gitarre mitgebracht hat! Wooooohooooow!! Die Steffi terrorisiert seit dem ihre Mitbewohner.
Egal. Mich macht es glücklich. Manchmal muss man wohl ein wenig selbstsüchtig sein.

Ausblick Turaida
Anna und ich in der Burg Cēsis 
Ausblick vom neuen Turm der Burg in Cēsis
Cēsis
Rīga

1 comment:

  1. "Der wurde dann, vollkommen professionell, wieder mit diesen Plastikdingern befestigt, die dieses lustige Ratsch-Geräusch von sich geben, wenn man sie schließt, und die man nicht wieder öffnen kann. Jaja, ich bin ein absoluter Profi, was die Ausstattung einer normalen Garage angeht."

    Hallo Große, die "Dinger" nennen sich Kabelbinder. Und Profi , .... Die findest
    du bestimmt nicht in jeder Garage. Aber ein Elektriker hat sowas schon.
    Gelle?

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